Berlin - Wahlwerbespots, die sind das Grundrauschen der Demokratie: Eher dumpf und lästig. Man ist froh, wenn es aufhört. Bis auf Ausnahmen liefern die Clips keine Entscheidungshilfe für die Abstimmung. In meinem Bekanntenkreis habe ich noch nie jemanden sagen hören: Ich habe neulich den Spot der X-Partei im Fernsehen gesehen, der war so toll, die wähle ich.

Jetzt zeigen auch noch die Russlanddeutschen auf Facebook einen Wahlspot.
Der ist einerseits den übrigen ziemlich ähnlich. Menschen sagen einem, wofür sie sich einsetzen. Aber dieser Spot ist anders, schon, weil er es nicht ins Fernsehen schafft und weil er nicht für eine Partei wirbt. Er ist ein Aufruf zur Wahl zu gehen und vor der Abstimmung genau hinzusehen. So etwas machen andere auch, Gewerkschaften und Kirchen beispielsweise.

Für ein Berlin ohne Rassismus

Der Werbespot, den das Integrationshaus Lyra e. V. und die Jugendorganisation der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland ins Netz gestellt haben, ist anders, weil er uns nicht in vorgefassten Meinungen bestätigt, sondern sie unterläuft.

Zum Beispiel die Ansicht, die Russlanddeutschen seien konservativ und von der CDU enttäuscht, also hat sie die AfD mehr als 100.000 Wähler sowieso schon im Sack. Das kann man derzeit häufig lesen. Die jungen Leute in dem Film aber fordern dazu auf, für etwas zu stimmen statt einfach nur dagegen: Für soziales Miteinander, Rechtsstaat, bessere Bildung, wirtschaftliche Entwicklung – vor allem aber für schnelle Integration und ein weltoffenes Berlin ohne Rassismus.

Vor allem die letzten beiden „Für“ unterlaufen ein gerade ebenfalls oft zu lesendes Vorurteil: Russlanddeutsche würden nicht in Berlin, sondern in einer russischen Parallelwelt leben. Dieser Spot ist ein Aufruf der Russlanddeutschen an ihre Landsleute, demokratisch zu wählen. Aber das Wort „Landsleute“ bedeutet etwas anderes, als viele meinen. Dieser Aufruf meint alle Berliner.