Ruth Blauert träumt. Von verrückten Erfindungen, von Kunstobjekten und Projekten und vom Atmen unter Wasser. "Nachts wirkt es alles toll, aber morgens denke ich: Das war doch gar nichts, und das Bild verschwindet." Doch wenigstens ein Traum ist Realität geworden. Vor zwei Jahren, Ruth Blauert ist gerade von Aachen nach Berlin gezogen, träumt sie eines nachts von einem Pony, einer künstlichen Haartolle, die in die Stirn fällt, zum Anstecken ans Echthaar. "Im Traum sah das cool aus", erzählt sie. Am nächsten Morgen setzt sie sich hin und zeichnet, was sie gesehen hat, bastelt aus ein paar Haaren auf einem Scanner eine Collage. Danach entsteht aus einer alten Perücke, deren Haare per Heißkleber um ein Lederband gewickelt werden, der erste Prototyp. "Der sah noch richtig scheiße aus", erzählt Ruth Blauert.Heute stellt die 31-Jährige in ihrer Wohnung in Prenzlauer Berg flippige Ponyhaarteile her. "Fou-Shi, the instant haircut", nennt sie das Ding - professionell auf eine Papp-Verpackung geklebt, zum massenweisen Verkauf. Glatte Ponys in grellem Grün, Ponys mit geringelten Seitensträhnchen in sattem Rot, Ponys in natürlichem Braun - oder aber eine Mischung aus all dem. Die Erfinderin selber, die mit hellblonden, langen Haaren, H&M-Shirt und Minirock über der engen Hose wie ein Prototyp ihrer Zielgruppe aussieht, findet ein Modell am schönsten, das sie "Mickey Maus Krone-Schmalz" nennt, und das im Prospekt "Luzie" heißt: ein eng anliegender Haarkranz mit Teufelszacken. Wer braucht so was? "Das ist natürlich ein Ding, das keiner braucht", sagt Ruth Blauert, "einfach ein Gag, noch nicht ganz Karneval, eher schon Party", sagt Ruth Blauert. Oder für die Love Parade am 13. Juli. Tausende Girlies und auch ein paar Jungs mit Fou-Shis auf den Köpfen? Der Erfinderin würde das schon gefallen. Eine Gruppe scheidet jedenfalls definitiv aus: Glatzköpfe, muss doch der Pony an Echthaar geclippt werden.Noch zu teuerDie Materialkosten für einen Fou-Shi liegen im Moment bei 4 Euro. Rechnet man Herstellung und Vermarktung dazu, muss sie ein Teil für 25 Euro verkaufen. Das ist teuer, zu teuer wohl. "Geplant sind 15 Euro", sagt sie. Also setzt sie ihre Hoffnung auf die größte Techno-Party der Welt. "Ich hoffe doch sehr, dass das klappt." Zwar ist die Mode mit den Blümchen bei der Love Parade eigentlich schon wieder vorbei. "Aber das ganze ist doch immer noch sehr schön bunt."Geld verdient die Erfinderin damit noch nicht. Zwar wurden schon ein paar Tollen in Szeneläden wie der Boutique "Waahnsinn" (Rosenthaler Straße in Mitte) oder übers Internet beim Berliner Designer-Vertrieb "partout24.de" aus Prenzlauer Berg verkauft. Aber um die Investitionen von 5 000 Euro wieder reinzubekommen, müssten viel mehr verkauft werden. Dafür braucht Ruth Blauert Investoren. "Ich suche Produzenten, die mir das Haarteil als Lizenz abkaufen. Leute, die sagen: geile Idee, wir übernehmen Produktion und Vertrieb." Bis dahin wird Ruth Blauert anderweitig ihr Geld verdienen. Denn sie ist nicht nur Erfinderin. In Aachen hat sie Visuelle Kommunikation studiert. Ihre Talente macht sie als selbstständige Grafikdesignerin, als Schauspielerin in Werbefilmen und als Malerin zu Geld. Bei so viel Beschäftigung fällt es schwer, sich zu entscheiden. Ihre Freunde hielten die Erfindung zunächst für "totalen Quatsch." Doch als dann der Prototyp fertig war, änderten sie ihre Meinung. "Der Trend fürs nächste Jahr", wurde sogar schon gemutmaßt. Ruth Blauert spricht von einer "Phase von Größenwahn". Trend setzen ist harte Arbeit.Große Unterstützung bekam sie vom Insti-Erfinderclub Berlin. Zwischen einer Runde alter Herren saß sie dort und präsentierte ihr Fou-Shi. Die Resonanz war sehr positiv. Die Erfinder brachten sofort Vorschläge zur Produktoptimierung ein. "Einer meinte, man könnte den Pony doch längenverstellbar machen oder ihn mit einer Thermofarbe ausstatten, die sich bei verschiedenen Temperaturen ändert", erinnert sie sich. Rolf Weitkus, der Chef des Clubs, brachte sie auf die Idee, für den Fou-Shi ein Gebrauchs- und Geschmacksmuster anzumelden. Allerdings auf Deutschland beschränkt, denn ein europaweites Gebrauchsmuster kostet rund 15 000 Euro. Für ein weltweites wird eine sechsstellige Summe fällig. Dafür müsste Ruth Blauert noch eine ganze Weile schauspielern, malen und designen. Und vielleicht noch von der ein oder anderen Erfindung träumen.Fou-Shis sind zu bestellen unter der Telefonnummer 42 80 24 28 oder als E-Mail: dobedo@freenet.deDie Varianten // Die Frisuren: a) Basic (kurzer, gerader Pony) b) Luzie (mit Teufels-Zacken) c) Yoko (mit kurzen Strähnen) d) Pippi (mit Zöpfe) e) Arielle (mit gecreppten Strähnen) f) Scarlett (mit Schläfenlocken).Die Farben: drei Naturtöne (Schwarz, Braun-meliert, helles Blond), sechs grelle Farben (fettes Blau; Türkis; Neon-Grün; Maisgelb; Pink; Bordeaux-Rot).BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER (2) Der Fou-Shi, der schrille Wechsel-Pony, hat durchaus das Zeug zum Pop-Kult. Ein erster Test wird die Love Parade.