Manchmal kommen nicht nur Züge, sondern auch ganze Bahnstationen zu spät. Der S-Bahnhof Kolonnenstraße in Schöneberg ist dafür ein rekordverdächtiges Beispiel. Seit 1984 wurde den Bürgern immer mal wieder versprochen, dass der im Zweiten Weltkrieg stillgelegte S-Bahn-Halt wieder eingerichtet wird. 1985 sollte der Bau beginnen. Doch erst jetzt, nach 21 Jahren, ist es so weit: "Am 15. November wird der erste Spatenstich für den S-Bahnhof vollzogen", sagte Holger Auferkamp, Sprecher der Deutschen Bahn (DB) in Berlin, gestern. Rund anderthalb Jahre werde es dauern, die Anlage an der Linie S 1 zu errichten. Das hieße: Im Frühjahr 2008 wird der Bahnhof eröffnet.Es bedarf schon einer gewissen Lebenserfahrung, um sich an die Anfänge des Projekts zu erinnern. "Seit der Wiedereröffnung der Wannseebahn 1985 war man sich einig, dass dieser S-Bahnhof dringend gebraucht wird", sagte Jens Wieseke, der stellvertretende Vorsitzende des Fahrgastverbandes IGEB.Doch bis heute durchfahren die Züge der S 1 den Schöneberger Osten ohne Halt. Die "Insel" rund um die Leberstraße und andere dicht besiedelte Stadtviertel sind derzeit nur per Bus erreichbar. So rechnen die DB-Planer denn auch mit einer relativ großen Nachfrage, wenn der S-Bahnhof erst einmal in Betrieb ist: Täglich werden dort 17 300 ein- und aussteigende Fahrgäste erwartet.Anfangs sollte die Station an der Julius-Leber-Brücke, auf der die Kolonnenstraße den S-Bahn-Einschnitt überquert, 1986 fertig sein. Doch immer wieder kam etwas dazwischen: Finanzierungsprobleme, andere Prioritäten, Umplanungen. Der aktuelle Entwurf sieht vor, an den Außenseiten der S-1-Trasse je einen 152 Meter langen, teilweise überdachten Bahnsteig zu bauen. Von der Nord- und der Südseite der Julius-Leber-Brücke führen Treppen zu beiden Bahnsteigen hinab. Auf der Nordseite werden auch Aufzüge eingerichtet. Die Straßenbrücke, die nach einem 1945 von den Nazis ermordeten SPD-Politiker benannt worden ist, entsteht neu. Danach sollen die Haltestellen der Buslinien 104 und N 42 auf die Überführung verlegt werden, um das Umsteigen zu erleichtern. An der Czeminski- und der Cheruskerstraße sind rund 100 Fahrradstellplätze vorgesehen. Berlin, der Bund und die DB teilen sich die Kosten: Die Rede ist von 6,4 Millionen Euro.Auch im Osten Berlins, in Köpenick, entsteht ein neuer Bahnhof - diesmal für den Regionalverkehr. Im Januar und Februar 2007 werden die Betroffenen zu dem Projekt angehört, für Anfang 2008 wird die Genehmigung erwartet. 2010 soll alles fertig sein. Der Regionalzughalt in Karlshorst wird dann geschlossen.------------------------------Karte: Neuer Halt an der S1 ab 2008. 17 300 Fahrgäste täglich werden am neuen Bahnhof erwartet.