S-Bahn startet mit neuem Chaos ins neue Jahr und hält nicht einmal den Notfahrplan ein: Angeblich hat das Wetter schuld

Es sieht so aus, als ob auch das neue Jahr keine Verbesserungen bei der Berliner S-Bahn bringt. Gestern jedenfalls konnte der angekündigte, sowieso schon sehr ausgedünnte Notfahrplan, der bis Donnerstag gelten soll, nicht eingehalten werden. Es kam zu zusätzlichen Einschränkungen.Züge fielen aus, waren kürzer und deshalb überfüllt oder kamen vor allem im morgendlichen Berufsverkehr mit rund zehnminütiger Verspätung. Wegen des Endes der Schulferien seien die Züge wieder voller, da sie zugleich kürzer als gewöhnlich sind, sei es auf den Bahnhöfen zu längeren Aufenthaltszeiten gekommen, so Bahn-Sprecher Burkhard Ahlert. Statt wie vorgesehen 620 Wagen konnten gestern lediglich 574 eingesetzt werden - "wegen witterungsbedingten Schäden wie Antriebsstörungen", so Ahlert. Das ist nicht mal die Hälfte der normal zur Verfügung stehenden 1 300 Wagen. "Wir haben zurzeit keine Reserven, um ausgefallene Züge zu ersetzen, wegen der Sonderuntersuchungen", so der Bahn-Sprecher.So konnte die Nord-Süd-Linie S1 lediglich zwischen Potsdamer Platz und Zehlendorf im 10-Minuten-Takt verkehren, die Verstärkerzüge zwischen Ahrensfelde und Ostbahnhof der S7 fielen aus, sodass nur ein 20-Minuten-Takt gewährleistet werden konnte, und die S9 fuhr nur zwischen Schönefeld und Treptower Park. Zudem kam es gegen 8 Uhr zu Weichenstörungen in Wannsee und die zusätzlichen Regionalexpresszüge konnten im Berufsverkehr wegen einer Stellwerkstörung nicht wie geplant fahren.Nach Ansicht des S-Bahn-Betriebsrats und des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) sind allerdings nicht die kalte Witterung, sondern Managementfehler und der Kostendruck des Mutterkonzerns der Grund für die anhaltenden Einschränkungen. "Die S-Bahn hat uns noch im Dezember versichert, dass die Züge und Strecken winterfest gemacht worden seien und es hier keine Probleme geben wird", so Hans-Werner Franz, Geschäftsführer des VBB. Die Hauptursache der erneuten Einschränkungen liege im jahrelangen Missmanagement und dem Kostendruck der Deutschen Bahn AG auf ihre Tochter. Auch der Vorsitzende des S-Bahn-Betriebsrats, Heiner Wegner, widersprach der offiziellen Darstellung. "Der Winter ist nicht schuld an diesem Desaster. Das liegt eindeutig in der Vergangenheit begründet, hier wurde zu sehr der Profit herausgezogen", so Wegner. Dies habe dazu geführt, dass Personal abgebaut und die Werkstattkapazitäten verringert worden seien.Hier soll nun zumindest gegengesteuert werden. Die Werkstatt in Friedrichsfelde soll probeweise wieder in Betrieb gehen. Gerade werde intern nach Mitarbeitern gesucht, es werden Räume ausgebaut, ab Mitte Januar könnten dort auf zwei Arbeitsgleisen wieder Wagen der Baureihe 481 gewartet und repariert werden, so Burkhard Ahlert.Vorerst ist allerdings nicht mit einem verbesserten Angebot zu rechnen. Auch heute kann es zu zusätzlichen Einschränkungen kommen. Welche das sein werden, konnte Ahlert gestern Abend noch nicht absehen. Er verwies auf die Internetseite www.s-bahn-berlin.de und auf die Verkehrsnachrichten.Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Oliver Friederici, forderte einen weiteren Freifahrmonat für Jahresabokunden. Die Grünen-Verkehrsexpertin Claudia Hämmerling schlug dagegen dauerhafte Fahrpreissenkungen vor. "Die Fahrgäste bezahlen den selben Fahrpreis für weniger Leistung. Das ist ungerecht", so Hämmerling.------------------------------Foto: Wie im vergangenen Januar setzt die Kälte der S-Bahn wieder schwer zu.