S-Bahn-Verkehr wegen Kälte erheblich gestört. Senat kürzt deshalb Zuschuss an das Unternehmen: Keine Kilometer, kein Geld

Für viele Fahrgäste war der Weg zur Arbeit auch gestern wieder ein Ärgernis. Wegen der frostigen Temperaturen kam es im S-Bahn-Verkehr erneut zu massiven Verspätungen. Viele Züge fielen komplett aus. So legte eine Signalstörung im Bahnhof Olympiastadion die S 9 zwischen Westkreuz und Spandau lahm. Auch die Linien S 45 zwischen Schönefeld und Hermannstraße und S 85 zwischen Grünau und Waidmannslust fuhren überhaupt nicht mehr. Die S 8 fiel am Morgen wegen einer Weichenstörung zwischen den Stationen Blankenburg und Treptower Park aus.Halbe Stunde WartezeitFahrgäste, die an den S-Bahnhöfen Hoppegarten und Südende standen, berichteten von einer halben Stunde Wartezeit im morgendlichen Berufsverkehr. Bei der S 75 zwischen Wartenberg und Warschauer Straße fielen die zusätzlichen Züge im Berufsverkehr aus. Auch die S 25 zwischen Lichterfelde Süd und Potsdamer Platz fuhr nur alle 20 Minuten. Auf dem Ring kamen die Bahnen am Morgen nur im Zehn-Minuten-Takt.Auf manchen Strecken wie der S 3 von Erkner nach Ostbahnhof wurden teilweise nur Kurzzüge eingesetzt. Viele Fahrgäste beschwerten sich über eine mangelhafte Information durch Lautsprecheransagen und elektronische Anzeigen. Im Schnitt hatten die Züge auf allen Linien zehn Minuten Verspätung, sagte gestern S-Bahn-Sprecher Burkhard Ahlert. Er rechnet damit, dass es noch bis zum Wochenende Einschränkungen geben wird und empfiehlt den Fahrgästen, 20 Minuten mehr Fahrzeit einzuplanen.Als Gründe für die Störungen nannte der Bahnsprecher vereiste Frontscheiben und eingefrorene Türen an den Zügen, vereiste Weichen, Eispanzer auf den Schienen sowie Signalstörungen durch den Frost. "Der Eisregen am Morgen machte die Situation gestern noch schwieriger", sagte Ahlert. Auf vereisten Schienen kämen die Züge nur langsam voran und die Weichen müssten von Mitarbeitern erst aufgetaut werden. Ein Bahnsprecher hatte am Dienstag noch angekündigt, dass die Züge gestern wieder nach dem normalen Fahrplan fahren sollten.Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung kündigte gestern an, dass die S-Bahn für die ausgefallenen Züge einen Teil der Landeszuschüsse von 232 Millionen Euro zurückzahlen muss. Das sieht der Verkehrsvertrag vor, der 2003 zwischen der S-Bahn und dem Land Berlin geschlossen wurde. "Für nicht gefahrene Kilometer gibt es kein Geld vom Land Berlin", sagte Verwaltungssprecher Marko Rosteck.Gereizte StimmungKritik kam auch von der verkehrspolitischen Sprecherin der Grünen, Claudia Hämmerling. Als Grund für die Störungen nannte sie die Sparmaßnahmen für den Börsengang der Deutschen Bahn, zu der die S-Bahn gehört. Dafür seien Werkstattkapazitäten reduziert und Personal abgezogen worden. "Instandhaltungs- und Wartungsmängel machen das Netz anfällig", sagte Hämmerling. "Der BVG-Verkehr funktioniert unter denselben eisigen Bedingungen nahezu reibungslos."Tatsächlich kam es bei der BVG lediglich im Busverkehr zu einigen Verspätungen. Derweil häuften sich die Beschwerden über die S-Bahn beim Berliner Fahrgastverband IGEB. "Die Stimmung ist sehr gereizt", sagte der Vorsitzende Christfried Tschepe. "Es ist kaum zu erklären, warum die Störungen so heftig sind." Beschwerden gebe es nicht nur wegen der Zugausfälle, auch die Kommunikation sei mangelhaft. Besonders auf Bahnhöfen in den Randbezirken gebe es weder Personal noch elektronische Anzeigen.------------------------------Foto: Ein Zug wird kommen: Nur wann, das bleibt in diesen Tagen oft unklar.------------------------------Foto: Freunde des kalten Winters: Am Kleinen Wannsee sind die Eisangler auf Fischfang. Die Polizei warnt aber davor, aufs Eis zu gehen.