Herr Albers, Sie schreiben in Ihrem Buch, der arbeitende Mensch müsse sich fortan stärker als Marke begreifen. Was macht die Marke "Markus Albers" aus?Jeder hat sich wahrscheinlich schon mal selbst gegoogelt, ist aber mit dem Ergebnis möglicherweise unzufrieden. Mir ging es jedenfalls vor drei Jahren noch so: Wer mich damals im Internet gesucht hat, bekam kein treffendes Bild von mir. Das habe ich daraufhin geändert: Ich habe eine Portfolio-Website eingerichtet, auf der ich meine Arbeiten präsentieren kann, ich twittere und blogge. Wenn man heute "Markus Albers" googelt, findet man mich sofort, sieht, dass ich Journalist bin und Bücher geschrieben habe. Was ich mit Marke also meine, ist: Das Wichtigste ist es, die Art und Weise, wie man von außen wahrgenommen wird, selbst zu steuern.In "Meconomy" beschreiben Sie, wie wir in Zukunft arbeiten werden -und setzen das offenbar selbst schon um: Sie haben es gewagt, Ihren Karriereratgeber ohne Verlag herauszugeben und damit auch das Marketing für Ihr Werk selbst in die Hand genommen. Sieht so die schöne neue Arbeitswelt aus: Jeder ist seines Jobglückes Schmied?Für Selbstständige trifft das in jedem Fall zu. Auch an der Situation von Festangestellten ändert sich derzeit einiges: Vieles wird flexibler, feste Bürozeiten und Anwesenheitspflichten fallen weg. Insgesamt verschiebt sich die Verantwortung für das Berufsleben vom Arbeitgeber zum einzelnen Arbeitnehmer: In Zukunft kann man sich nicht darauf verlassen, dass die Personalabteilung ein Entwicklungsprogramm für die Mitarbeiter startet. Die Verantwortung für seine berufliche Entwicklung muss man selbst in die Hand nehmen.Apropos Glück: Diesem Thema widmen Sie ein ganzes Kapitel. Sie plädieren dafür, den Beruf als Quelle größtmöglicher Zufriedenheit zu begreifen. Macht die Arbeit in Zukunft tatsächlich glücklicher?Sie kann es jedenfalls. Die Strategie unserer Eltern, auf Dauer bei einem Arbeitgeber zu bleiben und versorgt zu sein, ist nicht mehr nachhaltig. Wenn man sich nicht auf lebenslange Festanstellungen verlassen kann, spricht vieles dafür, zu versuchen, das zu machen, was einem wirklich liegt.Den Beruf nach dem Glücksprinzip zu wählen, ist das nicht auch künftig ein Privileg von wenigen?Ich will kein rosiges Bild zeichnen von einer Gesellschaft, in der jeder sein Hobby zum Beruf machen kann. Doch umgekehrt funktioniert es meiner Meinung nach auch nicht: An einer Stelle festzuhalten, die mir keinen Spaß macht, sondern mich vielleicht sogar frustriert, ist zwar nachvollziehbar, aber verkehrt. Erstens werde ich die Dinge, die ich nicht gern mache, im Zweifel auch nicht gut machen. Zweitens gibt es ohnehin keine Garantie, dass der Job sicher ist. Da darf man sich zumindest im Hinterkopf überlegen, mit welcher beruflichen Aufgabe man glücklicher wäre und womit man sich eventuell sogar selbstständig machen kann.Selbstständigkeit ist ein zentraler Aspekt Ihrer "Meconomy". Aber für wen gilt sie?Mein Buch ist tatsächlich für eine Zielgruppe bestimmt, nämlich für die "kreative Klasse", oder einfacher gesagt für alle, die hauptsächlich mit dem Computer und ihrem Kopf arbeiten. Am Ende geht es jedoch immer um das persönliche Glück. Egal, in welcher Profession: Wenn man feststellt, dass man im falschen Job ist, empfehle ich, nicht dort zu verharren.Ihre Wortschöpfung stellt das "Ich" in den Mittelpunkt. Werden wir alle zu vereinsamten Arbeitsegoisten?Im Gegenteil. Es geht in "Meconomy" nicht nur um Einzelkämpfer. Man sollte sich Verbündete suchen und in Teams arbeiten. Untersuchungen belegen darüber hinaus, dass Festangestellte in ihrem Einzelbüro manchmal weniger Kontakt zu ihren Kollegen haben als jemand, der -modern vernetzt -twittert, chattet, mailt und skypt. Sie haben oft mehr professionellen Austausch und soziale Kontakte, zum Teil auch über große Entfernungen hinweg.Sie versprechen ein gutes, aufregendes und erfülltes Arbeitsleben. Hat die Arbeitswelt der Zukunft nicht auch Schattenseiten?Ein Nachteil ist, dass man selten völlig abschalten kann. Einen klassischen Feierabend gibt es nicht mehr. Man lässt die Arbeit nicht im Büro. Sie kommt immer mit nach Hause: Der Laptop liegt auf dem Küchentisch und das Handy ist oft abends noch angeschaltet. Die veränderten Arbeitsweisen sind für alle neu. Wir müssen der Verlockung widerstehen, die Mails auch am Wochenende zu checken, und das Handy zu bestimmten Zeiten konsequent ausmachen.------------------------------Zur PersonMarkus Albers ist Politologe und Journalist. Als Sachbuchautor befasste er sich mit der Arbeitswelt von morgen, zum Beispiel in "Meconomy". Darin beschreibt der 41-jährige Westfale freiere Formen des Arbeitens, die er selbst schon nutzt: Sein aktuelles Buch brachte Albers -als erster deutscher Autor -ohne Verlag als E-Book heraus.Meconomy: Wie wir in Zukunft leben und arbeiten werden -und warum wir uns jetzt neu erfinden müssen. Epubli, Berlin (2010), 212 Seiten, 16,90 Euro oder als PDF zum Download für 9,99 Euro unterwww.meconomy.me------------------------------Foto: Bürojobs ade: Manche Arbeit lässt sich auch im Café um die Ecke erledigen.