MAGDEBURG/BERLIN. Ob der Flughafen Berlin-Schönefeld je ausgebaut wird, weiß Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Jürgen Heyer (SPD) natürlich nicht. Er weiß nur, dass es Probleme mit dem Standort im Süden Berlins gibt, dass die Ausbaupläne noch immer Pläne sind und die Proteste gegen das Projekt nicht leiser werden. "Gegen solchen Widerstand in der Bevölkerung lassen sich derartige Großvorhaben kaum durchsetzen", sagte Heyer. Sein Traum ist seit vielen Jahren eine Alternative, der Flughafen "Berlin International bei Stendal" - BIS. Dort werde es solche Schwierigkeiten nicht geben. "Falls Schönefeld nicht kommt, wollen wir eine fertige Planung haben", sagte Heyer. Die Planung hatte 1993 noch unter der rot-grünen Landesregierung begonnen. Mut zum Vorantreiben des Stendal-Projekts gibt der Regierung jetzt ein Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger, das Ministerpräsident Reinhard Höppner (SPD) und sein Verkehrsminister am Mittwoch in Magdeburg vorstellten. Der Flughafen bei Stendal sollte als "geeigneter Standort eines Flughafens für Berlin" weiter verfolgt werden, empfiehlt die Studie - solange "der Ausbau Schönefelds als internationales Drehkreuz nicht gesichert ist". Das Vorhaben in Sachsen-Anhalt bietet nach Ansicht des Gutachters Philipp Goedeking eine Reihe von "herausragenden Vorteilen". In der dünn besiedelten Region gebe es keine Lärmbeschränkung und kein Nachtflugverbot, Bodenkontaminationen seien nicht bekannt. Zudem lasse ein schnelles Genehmigungsverfahren einen sehr raschen Baubeginn erwarten. "Es spricht vieles für Stendal", sagte Goedeking. Er warnte allerdings vor Illusionen, schnell ein Luftdrehkreuz schaffen zu können: "Solange München und Frankfurt wachsen können, hätte Stendal erhebliche Schwierigkeiten - das trifft aber auch auf Schönefeld zu." In der Planung liegt der BIS ein bis zwei Jahre hinter dem Flughafen in Schönefeld Berlin Brandenburg International (BBI) zurück. Anfang 2002 will der Berliner Projektplaner Airail für das Planfeststellungsverfahren die Unterlagen einreichen. "Die privaten Investoren nehmen das Risiko auf sich, obwohl sie nicht wissen, was aus Schönefeld wird", sagte Airail-Chef Malte Maurer. Vorgesehen ist, einen Flughafen mit einer Jahreskapazität für zunächst 25 Millionen Passagiere zu errichten. Ende 2003 könnte Baubeginn sein, 2008/2009 das erste Flugzeug starten. Das Gutachten rechnet mit zunächst 15 Millionen Fluggästen. Die Distanz zur Hauptstadt halten Planer und Politiker in Magdeburg für kein Problem. Die Zeit, um einen Flughafen zu erreichen, sei entscheidend, nicht die geografische Entfernung, sagte Goedeking. So würde der ICE vom Lehrter Bahnhof zum Flughafen Stendal etwa 35 Minuten benötigen. Während der Fahrt könnten Passagiere bereits einchecken und das Gepäck abgefertigen lassen. Airail-Chef Maurer sagte, dass mit der Deutschen Bahn bereits über die Machbarkeit gesprochen worden sei. Die Straßenanbindung soll unter anderem über den bereits unabhängig vom Flughafen geplanten Bau einer Autobahnstrecke erfolgen, die von Halle über die A 2 hinweg nach Norden führt. Ohne diese Autobahn-Anbindung wird mit Kosten von acht Milliarden Mark gerechnet. Ministerpräsident Manfred Stolpe reagierte mit Befremden auf die Magdeburger Offerte. "Stendal wurde bereits vor Jahren geprüft und für Berlin-Brandenburg als ungeeignet verworfen", teilte er mit - das galt bis 1996 aber auch für Schönefeld. Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) sagte, der Standort Stendal sei absurd.Nur 1 600 Anwohner betroffen // Flughafen: Die Notwendigkeit eines internationalen Verkehrsflughafens gilt als unbestrit- ten. Sachsen-Anhalt hält Stendal für die beste Variante - und plant.Schönefeld: Für den Airport läuft zurzeit die Anhörung. Ende 2007 soll er in Betrieb gehen. Gegen die Pläne gibt es Widerstand bei zehntau-senden Anwohnern.Stendal: Anfang 2002 sollen die Planungsun-terlagen eingereicht werden. Das erste Flugzeug könnte 2008/2009 starten. Betroffen wären nur 1 600 Anwohner.BERLINER ZEITUNG/KARL-HEINZ DÖRING Mit dem ICE schnell von Berlin nach Stendal / Berlin International bei Stendahl (BIS) LUFTHANSA/WERNER KRÜGER In der Warteschleife: Wenn der Airport Schönefeld scheitert, könnten die Berliner ab Sachsen-Anhalt fliegen.