Duisburg - Vier Jahre ist es an diesem 24. Juli her, dass ein fröhliches Techno-Fest ausgelassen Tanzender in Duisburg jäh endete. 21 Menschen starben bei der Loveparade in einer Massenpanik im völlig überfüllten Tunnel-Zugang auf dem Festivalgelände, einem ehemaligen Güterbahnhof. Mehr als 650 Besucher wurden schwer verletzt. Unbekannt und kaum abschätzbar ist die Zahl derer, die das Event traumatisiert überlebt haben.

Posttraumatische Belastungsstörungen sind bei Jörn Teich diagnostiziert worden. Der 40-jährige Berufskraftfahrer war damals mit seiner kleinen Tochter eher zufällig in das unheilvolle Getümmel geraten und brach sich in dem Gedränge mehrere Rippen. Heute ist er so etwas wie ein Sprecher der Überlebenden und Mitgründer der „Betroffenen-Initiative Lopa 2010“.

Er sagt, er versuche, die schlimmen Bilder vor allem durch unermüdlichen Beistand für andere Opfer der Tragödie „aus dem Kopf zu kriegen“. Beinahe Tag und Nacht sei er für Leidensgenossen per Handy oder auf Facebook erreichbar.

Teich gehört auch zu einer Gruppe von rund 30 Loveparade-Geschädigten, in deren Namen die Bochumer Anwältin Bärbel Schönhof jetzt Zivilklage eingereicht hat. Verklagt werden die Stadt Duisburg, der Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller und dessen Firma Lopavent sowie das Land Nordrhein-Westfalen als Dienstherr der Polizei. Letzteres ist ein Novum. Schmerzensgeld in Höhe von 50 000 bis 80 000 Euro wollen sie erstreiten. Die Anwältin ist der Ansicht, dass alle Beklagten die Teilnehmer des Techno-Festivals „sehenden Auges in die Katastrophe“ hätten gehen lassen.

Suizid aus Verzweiflung

Mindestens sechs Überlebende des Unglücks haben sich offenbar aus Verzweiflung das Leben genommen, berichtet sie. Erst vor etwa zehn Tagen sei wieder ein Suizid aus den Reihen der Opfer bekannt geworden, sagt Jörn Teich.

Wann es zur strafrechtlichen Aufarbeitung des Unglücks kommt, ist noch völlig offen. Vor fünf Monaten hat die Staatsanwaltschaft Duisburg Anklage gegen sechs Bedienstete der Stadtverwaltung und vier Mitarbeiter der Veranstalterfirma wegen fahrlässiger Tötung erhoben. Keine Veranlassung gab es nach Ansicht der Anklagebehörde, Ermittlungen gegen den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) oder Lopavent-Geschäftsführer Schaller einzuleiten.

Das Landgericht Duisburg hat bislang nicht über Zulassung der bestehenden Anklage entschieden. Die Frist für Stellungnahmen der Verteidigung wurde bis Ende September verlängert. Mit einer Entscheidung, ob es zu einem Prozess kommt, ist im Oktober zu rechnen. Es wird vermutet, dass das Strafverfahren im ersten Quartal 2015 beginnen könnte.