In Deutschland kennt man Sara Forestier bislang bestenfalls, wenn man im Kino ganz genau hingeguckt hat, so klein waren ihren Rollen als Mordopfer in "Das Parfum" oder ihr Auftritt als France Gall in "Gainsbourg". Doch in ihrer französischen Heimat ist die 24-Jährige einer der begehrtesten Nachwuchsstars überhaupt. Für die frische und wortwitzige Komödie "Der Name der Leute", in der sie eine überzeugte Linke spielt, die Rechts-Wähler bekehren will, indem sie mit ihnen schläft, erhielt sie kürzlich ihren zweiten César, das französische Pendant zum Oscar.Mademoiselle Forestier, um gleich einmal den Titel Ihres Films "Der Name der Leute" aufzugreifen: Haben Sie sich in Ihrem Leben schon viel mit Ihrem Namen auseinandergesetzt?Nicht annähernd so sehr wie meine Filmfigur. Wenn man Bahia Benmahmoud heißt, bleibt es natürlich nicht aus, dass man ständig gefragt wird, woher man kommt. Oder man muss ihn buchstabieren. Ich dagegen habe einen vollkommen unexotischen, urfranzösischen Namen. Da muss man sich nicht so viele Gedanken machen. Von daher geht es mir eher wie Arthur Martin, meinem männlichen Gegenpart im Film: Ich empfinde meinen Namen als Allerweltsnamen, als total durchschnittlich.Immerhin wird man damit nie gehänselt, oder?Doch, das schließt sich nicht aus. Ich hatte schon als Kind immer viele Freunde ausländischer Herkunft. Da waren die Rollen auf dem Schulhof verkehrt - und ich wurde veräppelt, weil mein Nachname "Förster" bedeutet. Oder auch als Sara Fromage, eben weil ich so typisch französisch hieß.Hatten Sie jemals den Drang Ihrer Filmfigur Bahia, die Welt verbessern zu wollen?Mit 13 Jahren wollte ich in die Politik gehen, um Präsidentin von Frankreich zu werden. Aber das hielt nicht wirklich lange an, denn ich habe schnell gemerkt, dass ich mehr davon habe, wenn ich mich der Kunst verschreibe. Das entspricht eher meinem Wesen, meinem Hang zu Träumen und Fantastereien. Vielleicht gibt es hin und wieder auch in der Politik Utopien, aber eigentlich haben sie dort vor allem in Frankreich schon lange keinen Platz mehr.Glauben Sie denn, dass Filme etwas verändern können?Verändern - das klingt für mich schon wieder so nach Politik, so trivial. Man verändert Menschen nicht, schon gar nicht mit Kunst, wo es um Sensibilität und Logik geht. Viel mehr bringt sie die Menschen dazu, sich von ihrer alltäglichen Realität zu lösen und ihr zu entkommen. Kunst ist Nahrung für Geist und Seele, während Politik, Logik oder Vernunft Nahrung ausschließlich für das Gehirn sind. Mir schmeckt Erstere viel besser, schon allein deswegen könnte ich ohne Kunst nie leben.Sie klingen sehr bestimmt. Hatten Sie nie Zweifel, einen Plan B vielleicht, falls es mit der Schauspielerei nicht geklappt hätte?Irgendwie nicht. Ich weiß ganz ehrlich nicht, was ich gemacht hätte, wenn mein Leben sich anders entwickelt hätte. Oder lassen Sie es mich umformulieren: Vermutlich ist alles zwangsläufig so gekommen, wie es nun ist, eben weil dieser Drang zur Kunst für mich einfach unausweichlich ist. Selbst wenn ich es wollte, könnte ich damit nicht aufhören.In "Der Name der Leute" gelingt Ihnen eine enorme komödiantische Leistung, selbst in jenen Szenen, in denen Sie buchstäblich splitterfasernackt sind. Wie leicht fällt Ihnen diese Leichtigkeit?Ich war selbst erstaunt, wie ich das hinbekommen habe, denn ich hatte vorher nie in einer Komödie gespielt. Die einzige Erfahrung in dieser Richtung war vielleicht mein kleiner Auftritt in "Gainsbourg", den der Regisseur wie eine Burleske angelegt hatte. Also war die Arbeit an "Der Name der Leute" für mich eine komplett neue Erfahrung, die sich allerdings sehr selbstverständlich anfühlte. Ganz fremd ist mir Humor natürlich sowieso nicht. Interessanterweise sind nämlich alle drei Kurzfilme, die ich als Regisseurin gedreht habe, Komödien - und auch mein erster Spielfilm, den ich hoffentlich im Sommer inszeniere, wird eine sein.Wird die Regie ein zweites Karrierestandbein?Gut möglich. Ich wollte schon immer Geschichten erzählen. Früher habe ich Kurzgeschichten und Gedichte geschrieben, heute kann ich meiner Kreativität besser in Filmen freien Lauf lassen. Auch als Schauspielerin habe ich mir meine Filme stets aufgrund ihrer gesamten Geschichten ausgesucht, nie nur aufgrund meiner einzelnen Rolle.Werden Sie in Ihrem Spielfilm auch selbst mitspielen?Oh nein, auf keinen Fall. Ich brauche da ein bisschen Abstand und will den richtigen Blick einer Filmemacherin auf die Sache haben. Da sollen sich die Verantwortlichkeiten nicht in die Quere kommen, denn sonst hätte ich Angst, dass ich eine der beiden Aufgaben nicht mit vollem Einsatz und der nötigen Präzision erledige. Für mich ist die Beziehung zwischen Regisseur und Schauspieler vor und während des Drehs enorm wichtig. Beide müssen sich sehr genau beobachten, um das meiste aus sich herauszuholen. Wenn man das in Personalunion macht, stelle ich es mir fast unmöglich vor, irgendwie klare Grenzen zwischen beiden Berufen mit ihren jeweils anderen Verantwortlichkeiten zu ziehen.Das Gespräch führte Patrick Heidmann.------------------------------Foto: Sara Forestier, "César"-gekrönte Schauspielerin mit Regie-Plänen