Es war bei einer Veranstaltung der Berliner Innenverwaltung mit Vertretern der muslimischen Community. Um einen runden Tisch saßen lauter Männer, bärtige Muslime, die Stimmung war angespannt. Plötzlich kam eine Frau durch die Tür, die aussah wie eine Kandidatin bei Germany’s Next Topmodel, schlank, schön, elegant gekleidet. Die Männer grüßten sie wie eine alte Bekannte, sie hörten ihr respektvoll zu, die Stimmung war gerettet. Die Frau war Sawsan Chebli.

Die 35-Jährige arbeitete bis vor kurzem als Grundsatzreferentin für interkulturelle Angelegenheiten bei der Innenverwaltung. Nun holt Außenminister Frank Steinmeier (SPD) sie in sein Amt, als stellvertretende Sprecherin. Die Tochter palästinensischer Flüchtlinge wird künftig die deutsche Außenpolitik erklären. Für Sawsan Chebli geht damit ein Traum in Erfüllung.

Vor vier Jahren hat der SPD-Innenpolitiker Ehrhart Körting die Frau, die zuvor als Referentin im Bundestag tätig war, in den Berliner Senat geholt. Doch dass die Landesregierung nur eine Zwischenstation bleiben würde, merkte man schon daran, dass Sawsan Chebli ähnlich kenntnisreich über den Nahost-Konflikt wie über die Zustände in der Berliner SPD reden konnte.

Einsatz für Muslime

Gerade in Zeiten, in denen hitzig über Zuwanderung gestritten wird, ist die Geschichte von Sawsan Chebli ein Zeichen, dass es sich lohnt, Flüchtlinge nicht nur als Belastung zu sehen. Ihre Eltern sind als Kinder 1948 aus Palästina vertrieben worden, sie lernten sich in einem Lager im Libanon kennen. Anfang der siebziger Jahre kam der Vater nach Berlin und holte seine Frau und die elf Kinder nach, Sawsan Chebli und eine jüngere Schwester wurden in Berlin geboren. Als sie in die Schule kam, sprach sie kaum Deutsch, zu Hause wurde arabisch geredet, ihre Eltern waren damals Analphabeten.

Sie weiß, wie sich Entscheidungen in der internationalen Politik auf Menschen auswirken können. Sie war lange staatenlos, wurde geduldet, erst mit 15 bekam sie einen deutschen Pass. Chebli, Löwenkind auf arabisch, überwand Widerstände, machte Abitur, studierte Politikwissenschaft. Ihr Berliner Projekt Juma, das junge Muslime zu politischer Einmischung ermutigen soll, schaffte es bis in das Magazin Spiegel.

Wer was leistet in Deutschland, der wird anerkannt, so dachte sie. Anerkennung ist ihr wichtig, sie will wahrgenommen werden, als deutsche Muslimin. Sie ist gläubig, betet regelmäßig, trinkt niemals Alkohol, auch ihr Mann, Manager bei Vivantes, ist Muslim. Nur auf das Kopftuch verzichtet sie. „Man kann auch ohne Kopftuch eine gute Muslimin sein“, sagt Chebli. Es war für sie in den vergangenen Jahren nicht immer leicht zu ertragen, wie über Muslime geredet wurde. Der Erfolg von Sarrazins Bestseller über die Intelligenz von Muslime, hat sie zweifeln lassen, ob sie in Deutschland gewollt ist. Gleichzeitig wünscht sie sich, dass die deutschen Muslime stärker zeigen, wie friedlich der Islam sein kann. Aus den oft hysterisch geführten deutschen Integrationsdebatten kann sie sich künftig heraushalten.