Die Duelle zwischen den russischen Schach-Weltmeistern Garn Kamparow und Anatoll Karpow sind Klassiker. Nachdem sich beide in letzter Zeit aus dem Wege gingen und heute den Titel in verschiedenen Schachverbinden (Profiorganisation PCA bzw. Weitverband FIDE) tragen, gewinnt jedes neue Treffen zwischen den Erzfeinden an Brisanz.Bisher spielten die beiden Moskauer fast 170 mal gegeneinander, wobei die meisten Partien bei ihren fünf WM-Matches zwischen 1984 und 1990 ausgetragen wurden. Kasparow gewann insgesamt 26mal, Karpow weist 20 Slege auf, der Rest endete remis. Heute nachmittag sitzen sich die ewigen Rivalen beim Superturnier in Linares erneut gegentiber.Die besseren Karten scheint diesmal Karpow zu haben, der den Wettbewerb nach sechs Runden mit makellosen sechs Punkten anführt. Kasparow liegt einen Zähler zurück, weil er schon zwei Remis abgab. Zuletzt konnte er seine Partie gegen WMKandidaten Boris Gelfand aus Minsk nur mit Mühe retten. Ist der stärkste Spieler der Gegenwart durch private Probleme (Scheidung läuft> angeschlagen? Sein Gegner Karpow sieht das nicht so: "Auch Kasparow hat hier schon starke Partien gezeigt. Zwei Unentschieden sind kein Beinbruch, und unser Turnier geht über insgesamt 13 Runden. Da kann noch einiges passieren."Zu seiner Taktik in der heutigen Begegnung sagt der FIDE-Weitmeister: "Ich werde mich mit den schwarzen Steinen sicher aufbauen und auf einen Fehler Kasparows warten. Auch wenn mir auf Grund des Turnierstandes ein Remis reicht, wäre es eine Genugtuung, ihn zu schlagen." Eine Rechnung hat Karpow noch offen. Beim letzten Aufeinandertreffen 1993 hatte ihn Kasparow an gleich~t Stelle in nur 27 Zügen vom Brett gefegt.Erfreulich aus Berliner Sicht: Der lejährige WM-Kandidat Wladimir Kramnik (Rußland/Empor Berlin) liegt derzeit an 3. Stelle und hat noch keine Partie verloren.