SCHWERIN, 3. August. Der Aufbau Ost zählt nach den Worten von Wolfgang Schäuble "zu den beeindruckendsten Erfolgsgeschichten dieses Jahrhunderts". Darauf könnten die Menschen in Ost- und Westdeutschland stolz sein, sagte der CDU/CSU-Fraktionschef bei der Vorstellung des zweiten Teils der Unions-Wahlplattform am Montag in Schwerin. Der Aufbau Ost werde solange Vorrang haben, bis die strukturellen Unterschiede überwunden seien.Schäuble sagte, CDU und CSU seien die einzige politische Kraft, die kontinuierlich und verläßlich an der Vollendung der deutschen Einheit festgehalten habe. Der SPD warf er in dieser Frage Unehrlichkeit vor. Der CSU-Vorsitzende Theo Waigel fügte hinzu, was nationale Solidarität anbelange, brauche sich die Union vor niemandem zu verstecken. Seit 1990 seien netto 1 000 Milliarden Mark in die neuen Länder geflossen.Offenbar auf Intervention ostdeutscher Christdemokraten ist der ursprüngliche Entwurf der Wahlplattform in einem Punkt geändert worden. Hatte es zunächst geheißen, die Menschen im Osten müßten bereit sein, "die politische und gesellschaftliche Ordnung der Bundesrepublik innerlich anzunehmen, auf die die Menschen im Westen zu Recht stolz sind", wurde dieser Satz aus der Endfassung herausgenommen. Unterstrichen wird lediglich die Notwendigkeit, "daß die Menschen im Osten Verständnis für ihre Mitbürger im Westen entwikkeln". Dasselbe gelte umgekehrt für die Westdeutschen, die immer noch zu wenig über das Alltagsleben in der DDR und über die anderen Erfahrungen ihrer Bürger wüßten. In einem Kapitel über den sozialen Zusammenhalt betonen die Unionsparteien ihre Absicht, den Schutz des religiösen Bekenntnisses gegen verletzende Angriffe zu verstärken. Die Familie soll gestärkt werden, die Leistungsfähigkeit des sozialen Sicherungssystems erhalten bleiben und der Weg einer "modernen und innovationsoffenen Gesundheitspolitik" konsequent fortgesetzt werden. Aufgenommen wurde die CSU-Forderung, daß Vorruheständler keine Renten-Abschläge hinnehmen müssen, wenn sie 45 Jahre lang Beiträge gezahlt haben. Die Umwandlung regulärer Arbeitsplätze in 620/520-Mark-Jobs wird als Fehlentwicklung bezeichnet. Scharfe Kritik am Aufbauprogramm der Bundesregierung für die östlichen Länder übte Brandenburgs Wirtschaftsminister Burkhard Dreher (SPD). Beim Wirtschaftswachstum hole der Osten nicht mehr auf. Die Zuwachsraten seien seit zwei Jahren sogar niedriger als im alten Bundesgebiet. Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Landeschef Harald Ringstorff sagte, er vermisse in dem Programm klare Aussagen zur Bodenreform und zum Länderfinanzausgleich.