Schauspieler und Moderator: Trauer um Dirk Bach

Der Schauspieler und Entertainer Dirk Bach (51) ist laut Berliner Staatsanwalt „wahrscheinlich an Herzversagen“ gestorben. Er sei wegen Herzproblemen in Behandlung gewesen. In seiner Wohnung seien auch Medikamente gegen Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und zur Cholesterin-Senkung gefunden worden. Es gebe keinen Hinweis auf einen fremdverschuldeten Tod, sagte ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft am Dienstag auf dapd-Anfrage. Deshalb sei auch keine Obduktion des Leichnams angeordnet worden.

Man musste ihn mögen, so klein und dick und rund. Dirk Bach machte niemandem Angst, dafür war er stets zu nett und freundlich, als hätte er keine andere Wahl. Ob er sich denn wohlfühle in seinem Körper, wurde er einmal gefragt. „Ja, ich fühle mich wohl, weil ich glaube, dass mein Körper so sein soll. Das Runde passt zu mir.“

Einer wie er war zum Komiker geboren, auch wenn ihm das nicht immer gefiel. Denn seine Karriere hatte er ganz anders gestartet. Bach, 1961 in Köln geboren, spielte seine erste Theaterrolle in Heiner Müllers „Prometheus“, da war er gerade mal 17 Jahre alt. „Plötzlich saß ich da; in eine Zwangsjacke gepfercht, mit einem zerstückelten Gummi-Geschlechtsteil, einen Eselskopf übergestülpt – zwei Meter hoch auf einem Stahlstuhl. Definitiv ein erhabener Moment.“ Bei derlei Rollen blieb es zunächst, der talentierte Schauspieler, der nie eine Schauspielschule besucht hatte, bewegte sich anschließend durch die freie Theaterszene, spielte in diversen Off-Produktionen, war zu sehen auf Bühnen in Wien und Köln, in Amsterdam und Brüssel, sogar in London und New York.

Das war ehrenvoll, brachte aber nicht viel Geld und noch weniger Ruhm. Der Durchbruch gelang Dirk Bach erst 1984 in der „Geierwally“ im Kölner „Theater in der Filmdose“. Das völlig überdrehte Tuntenspektakel brachte es auf weit über 300 Vorstellungen, der lustige Bach hatte jetzt seine Lebensaufgabe weg.

Zwar wurde er 1992 festes Mitglied im Ensemble des Kölner Schauspielhauses und spielte den Spiegelberg in „Die Räuber“, den Neonazi-Führer Mick in „Waikiki Beach“, den Frosch in „Die Fledermaus“ und die Titelrolle in Sternheims „Bürger Schippel“. Ihn mache, schrieb „Die Deutsche Bühne“, als Schauspieler vor allem interessant, dass er „auf der Bühne völlig mit sich selbst identisch“ erscheine und „alle Wirkungen aus sich selbst“ beziehe.

Bei Dirk Bach war Lachen garantiert

Doch das Fernsehen und die großen, lauten Unterhaltungsshows ließen nicht locker und wollten ihn dabeihaben, denn bei ihm war Lachen garantiert, ohne Häme, durchaus mit Hintersinn und ganz und gar menschlich. Bach pendelte zwischen privatem und öffentlich-rechtlichem Fernsehen, spielte für das ZDF in der Serie „Lukas“ ebenso wie in „Der kleine Mönch“. Mit seiner „Dirk-Bach-Show“ hatte er zuvor, 1992, bei RTL gute Quoten eingefahren. „Mühelos“, schrieb damals der Spiegel, „hängt Bach den um jeden Zuschauer kämpfenden Nachtarbeiter Gottschalk ab.“

Dirk Bach, für seine Freunde nur Dicki, wurde endgültig landesweit bekannt, Lachsack nannten sie ihn oder Dick und Doof in einer Person, und meinten es liebevoll. Selbst als er sich engagieren ließ, um durch die viel gescholtene und viel gesehene RTL-Dschungel-Show zu führen, nahm ihm das keiner übel, im Gegenteil. „Dirk Bach rettete nämlich das peinliche Spektakel, insofern überhaupt etwas zu retten war“, urteilte die FAZ.

So gut er war als Schauspieler auf kleiner und großer Bühne, vor der Film- und TV-Kamera, in Quiz- und Unterhaltungshows, so gut war Dirk Bach auch als Mensch. Er unterstützte Amnesty International und die Tierrechtsorganisation Peta, engagierte sich im Kampf gegen HIV und Aids. Und natürlich für die Rechte der Homosexuellen.

Er war einer der ersten Prominenten, der hierzulande öffentlich über sein Schwulsein sprach und dabei immer wieder betonte, dass er ein Schauspieler sei, der schwul ist, aber kein schwuler Schauspieler. Er war Mitglied im LSVD, dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland, und forderte immer wieder die volle rechtliche Gleichstellung für homosexuelle Paare. Dafür liebte ihn die schwule Gemeinde, 2011 erhielt er den Kölner CSD-Preis für sein Engagement für Homo-Rechte.

Ein Außenseiter in der Welt der schönen Männer

Bei allem Respekt und aller Sympathie in der Schwulenszene, ein Außenseiter war er auch in der Welt der gut gebauten, schönen Männer. „Manche finden mich vielleicht putzig, aber vom Sexsymbol bin ich weit entfernt.“ Es war aber nicht sein Ding, sich einem ständig wechselnden Schönheitsideal anzupassen. „Die letzte bewusste Schlankheitsdiät habe ich als Teenager gemacht.“ Ob im Beruf oder in seiner Freizeit, Dirk Bach erlebte immer wieder, wie er auf seine äußere Erscheinung festgelegt wurde.

Klein und dick musste er auch für seine letzte Rolle in dem Stück „Der kleine König Dezember“ von Axel Hacke sein. Am Montag sollte dazu die erste Probe auf der Bühne im Berliner „Schlosspark-Theater“ stattfinden. Doch der Schauspieler erschien nicht zur verabredeten Zeit. Als Lorenz Christian Köhler, der Regisseur, Bach in seinem Hotel abholen wollte, fand er ihn nur noch leblos vor. In der geplanten Premiere hätte er als König sagen sollen: „Und wer tot ist, wird ein Stern!“