SPANDAU. Die Neustadt ist arm an Kulturangeboten. Ein Kino gibt es dort nicht, auch kein Theater. Pfarrer Peter Kranz setzt in dem Spandauer Ortsteil auf Eigeninitiative. Mit Erfolg. Dem Pfarrer der Luthergemeinde ist es gelungen, die österreichische Schauspielerin Elfriede Irrall für ein bisher einmaliges Projekt zu gewinnen. Die 60jährige Künstlerin, die in zahlreichen Fernsehproduktionen mitgewirkt hat, bietet ab dem 16. Februar gemeinsam mit ihrem Mann Olaf Scheuring im Paul-Schneider-Haus einen Theaterkursus für 20 Kinder und Jugendliche an.Kein Geld für KulturprojektePeter Kranz und Elfriede Irrall hatten sich vor 20 Jahren durch gemeinsame Freunde in Berlin kennengelernt. Die Projektidee hat der Schauspielerin gleich gefallen. "Wir wollen verhindern helfen, daß immer mehr besserverdienende Familien aus der Neustadt wegziehen und sich unser Viertel immer mehr zu einem Ghetto entwickelt", sagt der Pfarrer. Kranz kritisiert, daß der Bezirk Geld für Kulturprojekte hauptsächlich in der Spandauer Altstadt ausgibt. Er führt ein Beispiel an: "Wir hatten 1998 von der Bezirksverordnetenversammlung für unser jährliches Nachbarschaftsfest auf dem Lutherplatz einen Zuschuß von 3 000 Mark aus Sondermitteln beantragt. Bekommen haben wir nur 650 Mark. Den Rest mußten unsere Gemeindemitglieder größtenteils aus eigener Tasche bezahlen."In der Neustadt leben 25 000 Menschen, 9 000 von ihnen sind ausländischer Herkunft. Hier liegt der Ansatzpunkt für Elfriede Irrall. "Nur den wenigsten Berlinern ist bekannt, daß die Neustadt ähnliche Probleme wie der Bezirk Kreuzberg hat", sagt sie. Das Theaterprojekt solle dazu beitragen, daß Kinder aus unterschiedlichen Kulturen und sozialen Schichten spielerisch lernten, friedlich miteinander umzugehen. Dies möchte sie ihren Schülern auf der Grundlage einer Fabel des argentinischen Autos Roberto Espina vermitteln. Die Geschichte handelt von einer wohlhabenden Frau, die Kindern verbietet, in ihrem großen Garten zu spielen. Daraufhin verlassen die Sonne, aber auch Bienen und Blumen diesen Ort, um gegen die Vertreibung der Kinder aus ihrem Paradies zu demonstrieren. Kranz hat eine prominente Helferin gewonnen. Elfriede Irrall spielte auf Theaterbühnen in Berlin, Hamburg Wien und Zürich. Die Künstlerin wirkte an zahlreichen Kino- und Fernsehproduktionen mit. Zuletzt stand sie 1998 für die Verfilmung des Klaus-Mann-Romans "Der Vulkan" vor der Kamera. Außerdem arbeitet sie als Theaterdozentin an der Berliner Hochschule der Künste und am Wiener Konservatorium (mün.).Der Theaterkursus im Paul-Schneider-Haus der Luthergemeinde (Schönwalder Straße 23) beginnt am 16. Februar. Geprobt wird dienstags von 17 bis 19 Uhr. Die Teilnahme kostet maximal 150 Mark. Jugendliche aus sozial schwachen Familien zahlen stark ermäßigte Beiträge. Anmeldung unter Telefon 336 66 10.

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