Die Liste der denkmalgeschützen Anlagen und Gebäude im Dahme-Spreewald-Kreis ist lang. Drei Schlösser gehören dazu. Sie werden gegenwärtig saniert und restauriert. Über ihre Geschichte, ihre architektur-historische Bedeutung berichten wir in loser Folge.Um das Lieberoser Barockschloß zu retten, wurden in diesem Jahr 624 000 Mark aufgebracht. Vorrangig wird das Dach saniert, um das Bauwerk vor Witterungseinflüssen zu schützen. Der Bauherr, die "Brandenburgische Schlösser und Herrenhäuser Betriebsgesellschaft", sicherte 312 000 Mark zu. Der Landkreis ist mit 250 000 Mark beteiligt und das Amt Lieberose mit 62 000 Mark. Seit fünf Jahren sei die Bestandserhaltung im Gange, so Amtsdirektor Jürgen Raatz. Er rechnet insgesamt mit 2,8 Millionen Mark nur für die dringendsten Arbeiten. Für eine stilgerechte Restaurierung schätzt er den Preis auf 25 Millionen Mark, Ernst Wipprecht vom Landesamt für Denkmalpflege sieht da noch "ein paar Millionen mehr".Doch die stilechte Detailarbeit ist noch nicht einmal projektiert. Derzeit ist auch noch niemand gefunden, der das Denkmal nutzen und investiert will. Schließlich liegt Lieberose abseits am südöstlichen Rand des Dahme-Spreewald-Kreises. Dennoch halten die Verantwortlichen den Fortgang der Arbeiten für notwendig, denn Schloß Lieberose ist ein Zeugnis deutscher Geschichte in der Niederlausitz.Im 10. Jahrhundert eroberte Otto I. das sorbische Lubraz. Die Wasserburg hatte das Wegekreuz Frankfurt-Bautzen und Leipzig-Posen zu schützen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Platz 1272 und 1295. Schon 1302 wird Lieberaz deutsches Stadtrecht verliehen. Das Jahr 1336 kann als frühe Erwähnung des Schlosses angesehen werden. In dem Jahr wurde Markgraf Ludwig der Bayer mit dem "Hus zu Lubras" belehnt, also einem "Festen Haus".Die sächsischen Könige, die Polen mitregierten, haben auf Lieberose Station gemacht: Friedhelm von Dahme (1361), die Brüder von Kittlitz, nach 1411 die Brüder von Donyn oder Dohna, bald einer von Cottbus, von Ileburg, von Sternberg und von Kracht. 1485 besaß Niklas von Köckritz die Stadt und neun Dörfer. Wegen Geldschwierigkeiten mußte die Familie 1519 das Gut für 16 000 Gulden an Jacob und Richard von der Schulenburg verkaufen. Bis zur Enteignung 1945 gehörte die Herrschaft Lieberose dieser Familie.Das Schloß hat Um-, Aus- und Anbauten erfahren. 1657 ist das Profangebäude beim großen Stadtbrand fast völlig zerstört worden. Von dem Renaissancebau des Italieners Thaddäus Paglion blieben nur Keller- und Erdgeschoßgewölbe sowie der Treppenturm. Schon während der Standesherrschaft des Freiherrn Hans Georg von der Schulenburg wurde das Schloß äußerlich kaum verändert wieder aufgebaut. Aus dem Jahr der Fertigstellung 1695 stammt das Wappen in der überbauten Durchfahrt. Verschiedene Zeugnisse jenes "Neubaus" sind erhalten oder bereits restauriert. Dazu gehören der Stuck im Bacchuszimmer und im oberen Ankleidezimmer.Heute ist die Auffahrt des dreigeschossigen Putzbaus mit großen Vasen geschmückt. Der Westflügel fehlt völlig, der Nordflügel war durch Fliegerbomben des Zweiten Weltkrieges stark beschädigt worden. Nach dem Abriß des Nordflügels stürtzte auch der Turm, völlig haltlos geworden, am 12. August 1975 ein. Dazu beigetragen haben dürfte auch die Absenkung des Grundwassers. Denn das Schloß war einst im moorigen Untergrund auf Eichenpfählen erbaut worden. Einziger Grund, den gesamte Komplex daraufhin nicht abzureißen, war, daß dem Arbeiter- und Bauernstaat das nötige Geld fehlte.Heute beeindruckt in Lieberose vor allem der wieder gepflegte Park. Er wurde von ABM-Kräften hergerichtet. Teils im englischen Stil, teils als Lustarten. Doch bis das Schloß zur Besichtigung freigegeben werden kann, werden mindestens noch fünf Jahre vergehen. Daß ein Teil des einst geplünderten Inventars bis dahin wieder auftaucht, bleibt eine vage Hoffnung. +++

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