Menschen, die mit ihrem Rockzipfel in die ständig auf Hochtouren arbeitende Themenverwurstungsmaschine des deutschen Pressewesens geraten, werden unerbittlich ausgequetscht.----Dieser Tage hat es mal wieder den Minnesänger Nikolai de Treskow erwischt, was aber nicht heißen soll, daß es dem nicht recht wäre. Der Interpret von Gesängen, mit denen schon Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach vor 700 Jahren ihren Lebensunterhalt bestritten, verfolgt gerade eine interessante Geschäftsidee. Dem werten Publikum wurde mit Hilfe von "Spiegel", "FAZ", "Bild" und weiteren Blättern unterschiedlichster Prägung freundlich zur Kenntnis gegeben, daß sich auch die Minne der modernen Kommunikationstechnik nicht länger entziehen kann. Und jetzt bimmelt es munter unter der Berliner "Minnephon"-Nummer 25 39 16 21, die von den Konzertagenten des eher schmächtigen Bürschleins (das sich so gern mit seinen drei "Gespielinnen" brüstet) bedient wird. Dort kann man Bestellungen für die schnelle Minne zwischendurch loswerden.Telefonisch betätigt sich de Treskow, der die Sommermonate auf Burg Ziesar verbringt und bei weniger angenehmen Temperaturen in Berlin lebt, dann als Wecker, Tröster, Liebesberater, Versöhner, Anhimmler oder singendes Glückwunschtelegramm. Ganz nach Wunsch des Kunden, der dafür 200 Mark zu zahlen hat. Hausbesuche werden teurer je nach Entfernung kosten sie 500 bis 1 000 Mark. Und haben den entscheidenden Nachteil, daß Nikolai de Treskow dafür sein Bett verlassen muß. Ein schmerzlicher Abgang von der Berliner Gourmet-Bühne ist zu vermelden: Der Österreicher Wolfgang von Wieser, der uns nur eingeschränkt genußfähige Berliner als Küchenchef im Hotel Four Seasons so wunderbar verwöhnt hat, folgte dem Ruf nach Las Vegas. Dort kommandiert er jetzt die Küchenbrigade des neuen Four Seasons, das im März eröffnen soll. Kleiner Trost: Die Nachfolgelösung in Berlin steht für Kontinuität. Fabrice Rossmann arbeitete schließlich schon seit 1997 unter von Wieser. ---Stadtgeflüster Telefon 23 27 53 96 Telefax 23 27 51 14