Schock für privat Versicherte: Analyse

Die privaten Krankenversicherer betonen gerne, dass sie unabhängig sind - vom Arbeitsmarkt und der demografischen Entwicklung. Sie sind aber nicht von den Finanzmärkten unabhängig, und das werden ihre Kunden durch deftige Beitragserhöhungen zu spüren bekommen. Um sechs bis acht Prozent könnten die Prämien alleine wegen der Finanzkrise bei manchen Gesellschaften steigen, heißt es. Der Grund dafür ist, dass die privaten Krankenversicherungen wegen der Finanzkrise Mühe haben, einen guten Zins auf das von ihnen angelegte Geld zu erwirtschaften.Damit die Prämien der Kunden im Alter - wenn der medizinische Bedarf in der Regel ansteigt - nicht explodieren, legt die private Krankenversicherung Geld zurück. Das sind die sogenannten Alterungsrückstellungen. Bislang garantierten alle 46 Krankenversicherungsunternehmen ihren Kunden einen Zins von 3,5 Prozent. Das entspricht der vom Finanzministerium festgelegten Obergrenze. Zinserträge, die darüber hinausgehen, müssen den Kunden gutgeschrieben werden.Seit 50 Jahren ist diese Grenze unverändert. Und die Versicherer haben ihren Prämienberechnungen bislang den Höchstsatz zugrunde gelegt. Sie konnten 3,5 Prozent Zins relativ problemlos erwirtschaften. Noch 2009 lag die durchschnittliche Nettoverzinsung nach Angaben des PKV-Verbandes bei 4,25 Prozent. Allerdings streute die Höhe der Verzinsungen erheblich. Während manche Unternehmen gerade noch 2,45 Prozent erzielten, gelang anderen eine Rendite von über fünf Prozent. Mindestens zehn Firmen mit zusammen rund 2,1 Millionen Versicherten erreichen die Zinsgrenze nicht oder nur knapp. Sie könnten von ihren Mitgliedern höhere Beiträge verlangen, um die Zinslücke zu stopfen. Damit würden sie aberNachteile im Wettbewerb mit der Konkurrenz erleiden. Deshalb drängen sie darauf, dass der Höchstzinssatz für die gesamte private Krankenversicherung auf drei Prozent gesenkt wird. Dann müssten alle Gesellschaften ihre Prämien anheben, um den Zinsverlust auszugleichen. Die Mehrheit der Branche wehrt sich dagegen.Damit zeigt sich, dass die private Krankenversicherung - anders als oft behauptet - nicht krisenresistenter ist als die gesetzliche Krankenversicherung. Bei den Krankenkassen brechen die Einnahmen in der Krise durch steigende Arbeitslosigkeit und sinkende Löhne (Kurzarbeit) ein. Der privaten Krankenversicherung fallen die niedrigen Zinssätze auf die Füße. Es zeigt sich somit, dass die Privaten der gesetzlichen Krankenversicherung praktisch in keinem Punkt überlegen sind. Ihre Prämien sind in den vergangenen Jahren deutlich stärker angestiegen, ihr Leistungsversprechen bleibt - mit Ausnahme der ärztlichen Versorgung - bei manchen Gesellschaften oft deutlich hinter dem der gesetzlichen Krankenversicherung zurück. Gerade letzteres ist der breiten Öffentlichkeit aber kaum bekannt.Das alles zeigt, dass es für die schwarz-gelbe Koalition objektiv keinen fundierten Grund gibt, Gesetze zugunsten der privaten und zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung zu machen.------------------------------Grafik: Beitragseinnahmen in der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung (1997 bis 2008)