Schöne Weiden von Dirk

Er ist hier geboren, hat hier gelernt und gearbeitet. Ein Mann, der in einer Straße zwischen Fabrikhallen wohnt und für Oberschöneweide schwärmt. Dirk Sarnoch ist 34 Jahre alt und vielleicht typisch für diejenigen, die hier leben. Im ehemaligen Transformatorenwerk Oberschöneweide (TRO) hat er Schlosser gelernt und dort bis 1988 Maschinen repariert.Als der Magistrat 1989 den Abriß der heruntergekommenen Wohnhäuser in der Wilhelminenhofstraße beschloß, engagierte sich Sarnoch in einer Bürgerinitiative, die dagegen protestierte. Nach der Wende und einer kurzen Episode als Haushandwerker beim "Konsum", begann sein Leben als staatlich bezuschußter Arbeitnehmer: als ABM-Kraft. Seine erste Wirkungsstätte war das Bürgerinformationszentrum (BIZO) in der Wilhelminenhofstraße. "Das Bestehen des Zentrums steht wieder auf der Kippe", bedauert Sarnoch. Seit kurzem ist er in der "Zukunftswerkstatt Köpenick" als ABM-Kraft und "Anleiter" beschäftigt. Dort werden Prospekte und Layouts für gemeinnützige Vereine gefertigt. Der gelernte Schlosser hat in solchen Dingen inzwischen Erfahrung. Schließlich hat er einige Jahre lang für die Zeitschrift "Der Cöpenicker" Korrepondenzen aus Oberschöneweide geschrieben.Sein Dasein als "Oberschönerweider Spreepirat" hat er indessen perfektioniert. Er trieb mit einigen Freunden die Neubegrünung der Schillerpromenade voran, weil "die Verantwortlichen nicht aus dem Knick kamen", wie er sagt. "Also haben wir angefangen Ahorn und Rosen zu pflanzen und ein großes Schild aufgebaut. Plötzlich ging alles viel schneller und jetzt ist die Promenade grün", freut er sich.Auch der Betroffenenvertretung des Sanierungsgebietes Oberschöneweide steht Sarnoch mit Rat und Tat zur Seite. Die Einrichtung sammelt Meinungen und Sorgen der Einwohner zur Entwicklung des Gebietes, mischt sich in Planungen ein und stößt eigene Initiativen an. Zur Oberschöneweider 100-Jahr-Feier 1998 versuchte die Vertretung angesiedelte Projekte für eine eigene Feier zu begeistern. Das Vorhaben glückte zwar nicht ganz so, wie Sarnoch es sich vorgestellt hat. Insgesamt war der engagierte Mittdreißiger aber zufrieden. Ganz offiziell, und nicht als Pirat, hat der Schlosser übrigens noch einmal Weiden, oder besser "Oberschöneweiden", gepflanzt. Direkt am Ufer der Spree. 50 Stück kamen in den Boden und jede trägt ein Namensschild: Eine "Oberschöneweide" von Dirk Sarnoch.