ROSTOCK, 21. Juni. Um den Standort für die Produktion des neuen Airbus-Großraumflugzeuges A3XX ist eine heftige Diskussion entbrannt. Bundeskanzler Helmut Kohl wurde für seine Äußerung vom Freitag, daß er Rostock gegenüber dem Mitbewerber Hamburg den Vorzug gebe, von SPD-Spitzenkandidat Gerhard Schröder kritisiert.Noch keine VorentscheidungSchröder verwies am Sonnabend in Rostock darauf, daß Airbus-Industries noch keine grundsätzliche Entscheidung für einen deutschen Standort getroffen habe. Toulouse, der Sitz des Unternehmens, sei ein ernsthafter Konkurrent für die Produktion in Deutschland. Wenn Kohl sich jetzt schon für Rostock ausspreche, mache er den zweiten vor dem ersten Schritt.Es sei "hochgradig gefährlich", jetzt den Blick auf die Konkurrenz zwischen den beiden deutschen Städten zu lenken. Schröder forderte Kohl auf, mit dem Airbus-Aufsichtsratsvorsitzenden, Dasa-Chef Manfred Bischoff, zu sprechen und dafür zu sorgen, daß der Aufsichtsrat seine Entscheidung nach rein betriebswirtschaftlichen Kriterien treffe. Dann seien die Chancen Deutschlands am größten. Wenn dann zwischen Hamburg und Rostock auszuwählen sei, müsse dies nach objektiven Kriterien geschehen, "wobei man Strukturschwächen sicher berücksichtigen muß", sagte Schröder.Auch Hamburgs Bürgermeister Ortwin Runde (SPD) kritisierte Kohls Parteinahme für Rostock und erklärte, dadurch würden Deutschlands Chancen insgesamt geschmälert. Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Chef Harald Ringstorff begrüßte hingegen Kohls Vorstoß. Gegenüber der "Berliner Zeitung" sagte Ringstorff, sein Land habe die geringste Industriedichte in Deutschland und folglich Nachholbedarf. In Rostock-Laage, wo es einen Regionalflughafen gibt, seien die Bedingungen für den Bau des Airbus hervorragend. Ringstorff verwies auf die Autobahn, den Hafen und die Tradition Rostocks im Flugzeugbau. Vorwurf an LandesregierungHart kritisierte der Politiker den CDU-Ministerpräsidenten Berndt Seite. Dieser behandele das Airbus- Projekt dilettantisch. So habe die Landesregierung es versäumt, rechtzeitig ein Standortgutachten zu erstellen und Rostock zu präsentieren. Rostocks Oberbürgermeister Arno Pöker (SPD) begrüßte Kohls Stellungnahme gegenüber der "Berliner Zeitung" ebenfalls und nannte sie "ein wichtiges Signal". Er sei zuversichtlich, sofern Airbus sein Großraumflugzeug überhaupt in Deutschland baue, daß dann Rostock den Zuschlag bekomme.