Schweizer Langzeitstudie vergleicht herkömmliche und ökologische Anbaumethoden. Biobauern produzieren effizienter: Mit weit weniger Aufwand fast der gleiche Ertrag

Inmitten des Nitrofen-Skandals gibt es jetzt gute Nachrichten für die Biobauern: Wissenschaftler haben in einer Studie nachgewiesen, dass Ökolandbau nicht nur besser für die Umwelt ist als die herkömmliche Landwirtschaft, sondern letzten Endes auch effizienter. Zwar seien die Erträge etwas geringer, dafür aber müssten auch weit weniger Ressourcen und Energie eingesetzt werden, berichtet ein Team um Paul Mäder vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) im schweizerischen Frick. Die Studie erschien im US-amerikanischen Fachjournal "Science".Die Wissenschaftler untersuchten über 21 Jahre hinweg ökologische und konventionelle Anbaumethoden und deren Erträge sowie die Bodenqualität und Artenvielfalt. Der Schweizer Versuch ist die erste europäische Langzeitstudie zum Ökolandbau. Bislang gibt es vergleichbare Ergebnisse nur aus den USA.Mit nur halb so viel Dünger und Energie und einem um 97 Prozent reduzierten Pestizideintrag lagen die Erträge der angebauten Kulturen im Durchschnitt nur um 20 Prozent niedriger als beim konventionellen Landbau. "Das zeigt die erstaunlich hohe Effizienz der biologischen Pflanzenproduktion", sagt Versuchsleiter Mäder. Je nach angebauter Kultur fielen die Ergebnisse unterschiedlich aus: Bei Winterweizen erreichten die Öko-Erträge 90 Prozent der auf herkömmliche Weise erzeugten Getreidemenge. Die Ertragsminderung bei Grünfutter war noch geringer. Bei Kartoffeln dagegen führte die Kraut- und Knollenfäule dazu, dass die Erträge nur zwischen 58 und 66 Prozent der Menge erreichten, die auf herkömmlich bewirtschafteten Flächen erzeugt wurde - also mit Pestiziden, Herbiziden und Stickstoffdünger. Bei den ökologischen Verfahren dagegen verwendeten die Schweizer nur biologische Düngemittel. Mäder: "Es kostet viel Energie, Stickstoffdünger chemisch herzustellen. Dies ist der Hauptgrund dafür, dass der Energieaufwand bei den traditionell bewirtschafteten Böden größer ist als bei Öko-Äckern." Mäders Team fand auch heraus, dass ökologisch bewirtschaftete Böden eine bessere Struktur und eine größere biologische Aktivität aufweisen. Sie sind Lebensraum für mehr Tier- und Pflanzenarten als traditionelle Anbauflächen. Auf den herkömmlich bewirtschafteten Flächen zählten Mäder und seine Kollegen beispielsweise höchstens 26 Käferarten, auf den Bio-Flächen dagegen bis zu 34. Darunter waren auch seltene Spezies wie der Goldlaufkäfer. Bodenmikroben und Regenwürmer waren in den Bio-Böden doppelt so häufig anzutreffen wie in den traditionell bewirtschafteten Äckern. Der durch ihre Tätigkeit aufgelockerte Boden hielt das Wasser besser und verschlämmte nicht."Jetzt ist wissenschaftlich bewiesen, dass der Öko-Anbau eine echte Alternative zur herkömmlichen Landwirtschaft darstellt", sagt Mäder. "Man kann auf viele Hilfsmittel verzichten und trotzdem hohe Erträge erwirtschaften." Die von Mäders Team ermittelten Werte gelten allerdings nur für Biobetriebe, die sowohl Ackerbau betreiben als auch Vieh halten und dadurch den anfallenden Dünger auf die Felder ausbringen können. "Bei reinen Ackerbaubetrieben ist es schwierig, genügend Stickstoffdünger auf biologische Weise zu erzeugen", räumt Mäder ein. "Mit den Ertragseinbußen, wie wir sie jetzt nachgewiesen haben, werden wir leben müssen." Der Grund dafür liege im Verzicht auf den Einsatz von Kunstdünger und Pflanzenschutzmitteln. Aber: Deren Verwendung verursache zusätzliche Kosten, die derzeit die Gesellschaft tragen müsse, sagt Mäder. Als Beispiel nennt er die Reinigung des Grundwassers von Pflanzenschutzmitteln. "Würde man diese Kosten der Gesamtrechnung hinzufügen, stünde der Öko-Landbau im Vergleich zur herkömmlichen Landwirtschaft noch besser da."Skandale wie jetzt im Fall Nitrofen seien nie auszuschließen, sagt Mäders Kollege Robert Hermanowski vom FiBL. Es sei falsch, dem Verbraucher völlige Sicherheit zu suggerieren. "Aber der Biolandbau", sagt Hermanowski, "ist immer noch das bestkontrollierte aller Anbauverfahren." Science, Bd. 296, S.1694Foto: SCIENCE Die Versuchsfelder in Therwil (Schweiz). Dort haben Forscher mehr als zwanzig Jahre lang Ökolandbau und herkömmliche Produktion verglichen.