Verehrte Restaurantbesitzer! Sollte sich in nächster Zukunft ein harmlos dreinblickender Gast mit der Frage an Sie wenden, ob er zufällig seine Kalaschnikow bei Ihnen stehen gelassen hat, gehen Sie nicht gleich hinter dem Tresen in Deckung und, bevor Sie die Nummer des nächsten Polizeireviers wählen, werfen Sie einen Blick in Ihren Schirmständer. Sollte sich dort ein Schirm der Firma MMI, hergestellt in Solingen, anfinden, händigen Sie das gute Stück ruhig aus. Es ist eine Nachricht, die so recht in friedensbewegte Zeiten passt: Der Erfinder des berühmt-berüchtigten sowjetischen Sturmgewehrs AK-47, der Russe Michail Timofejewitsch Kalaschnikow wird künftig Regenschirmen, Uhren und Taschenmessern seinen Namen geben. Mit Hilfe des Solinger Unternehmens "Marken Marketing International" (MMI) soll der Name des 83-Jährigen Gewinn bringend vermarktet werden. Im Gegenzug erhält Michail Timofejewitsch dreißig Prozent der Firmenanteile von MMI. Geplant ist eine wahre Flut von Kalaschnikow-Produkten: Kalaschnikow-Mineralwasser, -Energiedrinks und Wodkamixgetränke, Outdoor-Artikel und ein Kalaschnikow-Geländewagen. "Diese Dinge sind meinem Gewehr sehr ähnlich: zuverlässig, einfach zu bedienen und unverwüstlich", sagt Michail Timofejewitsch. Eben diese Eigenschaften machten seine AK-47 zur meistgenutzten Handfeuerwaffe der Welt. Robust und zuverlässig tut sie ihren Dienst. Vier Kilo Holz und Stahl, mit denen in unzähligen Kriegen mehr Menschen getötet wurden als mit irgendeiner anderen Waffe. Rund hundert Millionen Exemplare sind bis heute weltweit im Einsatz. Eine "Massenvernichtungswaffe in Zeitlupe" nannte UN-Generalsekretär Kofi Annan das Gewehr. Erdacht hat sie Kalaschnikow während eines Lazarettaufenthalts im Zweiten Weltkrieg. A steht für Automat, K für Kalaschnikow und 47 für das Jahr, in dem die Erfindung des Bauernsohns aus dem Altai-Gebirge in Serie ging. Sie wurde zum größten Exportschlager der Sowjetunion. 19 Länder erwarben Fertigungslizenzen.Ihrem Erfinder brachte die AK-47 keine Kopeke ein, denn das Patent besitzt der Rüstungskonzern Ischmasch in Kalaschnikows Heimatstadt Ischewsk. Nach Angaben der Tageszeitung Iswestija wäre das Unternehmen dem Erfinder jährlich fünf Millionen Dollar Tantiemen schuldig. Gereicht hat es nur für ein überlebensgroßes Denkmal in Ischewsk. Dort wohnt Michail Kalaschnikow bis heute im Plattenbau, arbeitet noch immer in der Konstruktionsabteilung von Ischmasch und bezieht neben seiner Offizierspension eine Zusatzrente für besondere Verdienste. Insgesamt beläuft sich sein Einkommen auf umgerechnet 435 Euro im Monat. Die Einnahmen aus dem Verkauf von Kalaschnikow-Artikeln dürften da willkommen sein. Schließlich wird es auch den Generalleutnant a.D. Kalaschnikow beruhigen, dass die einfache Bedienung von Regenschirmen Marke Kalaschnikow nicht unmittelbar zum Tode führt. Denn manchmal regte sich bei allem Stolz auch das Gewissen. Er hätte lieber etwas Nützliches erfunden, soll Michail Timofejewitsch einmal gesagt haben.FOTO Michail Timofejewitsch Kalaschnikow Erfinder des Gewehrs, vermarktet seinen Namen