Ein Film über eine Männerfreundschaft zu dritt und darüber, wie es ist, wenn einer die beiden anderen verlässt. Walter arbeitet als Automechaniker, Floyd muss im Rahmen einer Bewährungsstrafe Kranke im Spital pflegen, und Ricco verdient sein Geld als Hamburger-Brater. Die drei Jungs leben in einem der weniger schönen Stadtteile Hamburgs und sind echte und beste Freunde, einer für alle und alle für einen das merkt man gleich zu Anfang, wenn sie gemeinsam in Walters altem Ford Granada über die Ausfallstraße rasen.Allerdings versteht man nie so recht, wie ausgerechnet diese drei zueinander gekommen sind und was sie beieinander hält. Das mag daran liegen, dass Regisseur Sebastian Schipper jedem seiner Charaktere eine fast überdeutliche Rolle zeichnet: Floyd, der Dauermelancholische, träumt den amerikanischen Gitarren-und-Highway-Traum, der übergewichtige Walter ist ganz unambitionierte Gelassenheit, und Ricco, wasserstoffblond und Goldzahn, mimt den lauten und angeberischen Möchtegernrapper. Kann dieser Dreierbund funktionieren? Der Regisseur schlägt sich mit solchen Fraglichkeiten nicht lang herum und pointiert lieber jedermanns Eigenheiten. Bis hart an die Grenze: wenn Frank Giering als Floyd zum wiederholten Male traurig ins Nirgendwo schaut, rutscht sein Sehnsuchtsblick langsam zum Dackelblick ab, und auch Florian Lukas Ricco ist in seinen Reimversuchen und Posen mitunter zu grell und laut.Die klare Typenzeichnung wird erst aufgebrochen, als Floyd seinen Freunden eröffnet, am morgigen Tag, nach Ablauf seiner Bewährungszeit werde er Hamburg auf einem Frachtschiff gen Südafrika verlassen. In Riccos Street-Kid-Gesicht zeigt sich plötzlich eine ganz widersprüchliche Verletzlichkeit, und aus Walter (Antoine Monot, jr.) steigt die Wut auf. Von der Rückseite dieser Freundschaft her, vom Eindruck der Verlassenheit und des Verlassenwerdens, trifft der Film den richtigen Ton. Und von diesem Punkt an, an dem die Einheitsfront gesprengt ist und die letzte gemeinsame Nacht des Trios ihren Lauf nimmt, setzt Sebastian Schipper auf die volle Breite der Gefühle. Auf den bevorstehenden Bruch ihres Bundes reagieren Floyd, Walter und Ricco auf jede mögliche Weise, mit Aggression gegen die Enge und Schlichtheit ihrer Umgebung, mit pubertär-alberner Euphorie, vor allem aber mit dem Drang, alles noch einmal gemacht haben zu müssen.Die Nacht ist lang und abwechslungsreich, allerdings folgt auf jedes Hochgefühl unweigerlich ein neuer Tiefpunkt. Wenn Ricco es schafft, mit Walters aufgemotztem altem Ford die Sprungschanze einer Stunt-Show-Anlage zu nehmen und sein Stolz und sein Glück darüber ganz greifbar sind, dann setzt er das Auto im nächsten Moment in die Leuchtreklame und fängt sich ein Rudel Verfolger ein. Und wenn die drei in einer gemeinsamen Sonderanstrengung beim Tischfußball den großen Kickerkönig schlagen und ihren Erfolg kaum fassen können, dann spielt die folgende Szene im Krankenhaus, wo das Nachbarmädchen Telsa (ganz zart und bemessen: Julia Hummer) nur knapp eine Alkoholvergiftung überlebt.Natürlich funktioniert auch diese Männerfreundschaft zu einem gut Teil über Rituale das gemeinsame Autofahren, die mitternächtliche Junk-Food-Orgie, das Fußballspiel. Und wenn die Jungs auf einem verlassenen Parkplatz nebeneinander ein Luftgitarrensolo spielen, bekommt ihre Freundschaft zwar dadurch nicht plötzlich einen tieferen Sinn aber die Frage nach dem tieferen Sinn wird ganz schnell unerheblich. "Absolute Giganten" geht es nicht darum, Erklärungen dafür zu liefern, wie und warum Freundschaften entstehen. Schipper stellt seine drei Freunde so hin, wie sie sind; das bewährt sich schließlich auch ohne Erklärung.Der Ablauf ist mitunter sehr vorhersehbar, dann wieder wirkt er willkürlich und die Figuren tappen ins Klischee. All das ändert jedoch nichts daran, dass Schippers Film eine große Kraft besitzt, von der man sich gerne eine Nacht lang mitreißen lässt. Besonders die zärtlichen Momente (und davon gibt es viele) hat Tom Tykwers Stamm-Kameramann Frank Griebe so leuchtend und farbig fotografiert, wie man es aus "Winterschläfer" oder "Lola rennt" kennt. Überhaupt scheint "Absolute Giganten", auch wenn diesmal keiner der vier X-Filmer selbst Regie geführt hat, eine typische X-Filme-Produktion geworden zu sein um die Auseinandersetzung mit Freundschaft, Liebe und dem großen Lebenskampf und -krampf ging es bisher in fast jedem Werk des Berliner "Creative Pools". "Absolute Giganten" ist bunt, schnell und unterhaltsam, melancholisch und komisch. In einer Art charmanter Unbekümmertheit tanzt der Film so munter über die eigene Unfertigkeit hinweg, dass man sich darin schnell zu Hause fühlt.Absolute Giganten Deutschland 1999, 81 Minuten, Regie und Drehbuch: Sebastian Schipper, Kamera: Frank Griebe, Produktion: X-Filme, Darsteller: Frank Giering, Florian Lukas, Antoine Monot jr., Julia Hummer.