Heston, Fortsetzung von Seite 1---nerstag, das dem Schußwaffenopfer Steven Fox umgerechnet 878 000 Mark Schadensersatz zusprach, dürfte NRA-Chef Heston eine Menge zu tun bekommen. Denn nun wird mit einer Welle von Folgeklagen gerechnet möglich, daß die Waffenhersteller ähnlich in die Defensive geraten wie die US-Tabakindustrie, die sich verpflichtet hat, Milliarden für Gesundheitsschäden bei Rauchern zu zahlen. Man darf also gespannt sein, was Heston, der sich gerade von einer Prostata-Operation erholt, nun erklären wird. Immer wieder hat er in seinen Reden für die Waffenlobby auch Präsident Bill Clinton angegriffen, der die laschen US-Waffengesetze verschärft sehen will. Clinton sei nicht zu trauen, meint Heston, denn schließlich unterstütze der auch die Schwulen und sei ein Ehebrecher. Politische Korrektheit findet der Zwei-Meter-Mann "lächerlich", sie verdrehe und beschmutze die Sprache. Heston selbst legte immer Wert auf ein sauberes Image als treusorgender Familienvater. Seine Ehefrau, die Schauspielerin Lydia Marie Clarke, verzichtete zu seinen Gunsten auf ihre Karriere. Der skandalfreien Verbindung, die schon seit mehr als fünfzig Jahren anhält, entstammen die Kinder Fraser und Holly-Ann. Seine beiden Oscars verdankt der Schauspieler einer nicht ungeschickten, konservativen Rollenwahl: Der Zwei-Meter-Mann war immer die Heldenfigur, egal, ob bei Shakespeare, in der biblischen Wüste, im Zirkus oder auf dem "Planet der Affen". Einige flache Auftritte in TV-Filmen schadeten ihm nicht. Mit seinem Einsatz für die NRA aber könnte der Wagenlenker aus "Ben Hur" seine Karriere noch an die Wand fahren. So bezeichnete die "New York Times" ihn sichtlich enttäuscht als "Strohmann" einer "staatsbürgerlich verantwortungslosen Lobby". Wirklich überrascht von Charlton Hestons rechten Sprüchen konnte allerdings niemand sein, auch wenn der Schauspieler in seinen jugendlichen Tagen durchaus liberalere Standpunkte vertreten hat. Längst verbindet ihn mit konservativen Kollegen wie Ronald Reagan und Clint Eastwood private und politische Freundschaft; zuwider waren Heston in den 80er Jahren dagegen das linke Engagement vieler Hollywood-Größen und die Aufgeregtheit der Medien um Gorbatschow, den er mit Stalin verglich.Hestons jüngster Auftritt fand in der CNN-Talkshow von Larry King statt und war ganz unmartialisch. Dort berichtete der Schauspieler von seinem Kampf gegen den Prostata-Krebs und den Auswirkungen der Strahlentherapie. Er forderte alle alten Männer auf, regelmäßig zum Gesundheitstest zu gehen. Doch ist die Hoffnung wohl nur gering, daß die schwere Krankheit noch einmal etwas verändert im sturen Kopf des hoffnungslos heldischen Charlton Heston.