Seine Streitlust machte ihn zum Außenseiter

Als nach der verlorenen Bundestagswahl einige CDU-Landespolitiker der jüngeren Generation plötzlich mutig wurden und am Denkmal des großen Vorsitzenden kratzten, fuhr ihnen Heiner Geißler über den Mund. Ihm mißfalle, so wies er die Kritiker Helmut Kohls zurecht, wie Leute, die sich noch vor kurzem als "Weihrauchschwenker" und "Oberministranten" aufgeführt hätten, nun über den geschlagenen Kanzler herzögen. Vor der Niederlage habe er von denen "nie etwas gehört."Die Kritik wirkte umso glaubwürdiger, als sie von jemandem kam, dessen innerparteiliche Zivilcourage auch bei Widersachern unumstritten ist. Wann immer Geißler etwas in der CDU nicht paßte, hat er seinen Mund aufgemacht. Ohne Rücksicht auf Personen und politische Umstände. Das hat ihn zum Außenseiter in der Union werden lassen und ihn seine Parteiämter gekostet. Zuletzt, als ihn die geschrumpfte CDU/CSU-Bundestagsfraktion bei der Vorstandswahl durchfallen ließ. Doch beirren ließ sich der 67jährige dadurch nicht. "Es ist eine Frage des Rückgrats, ob man kuscht oder nicht."Wie es seiner Kämpfernatur entspricht, will der CDU-Rebell auch nichts von seinen Äußerungen zum Umgang mit der PDS zurücknehmen. Die wütenden Attacken auf ihn, die bis zum Parteiausschluß reichen, kontert er kühl mit dem Satz, viele Christdemokraten hätten noch nicht begriffen, daß es mit dem "alten Stil der Denkverbote und der Bevormundung" ein Ende haben müsse. Der Versuch, Andersdenkende durch geistige Verbannung mundtot machen zu wollen, passe nicht in eine demokratische Partei.Obwohl dem ehemaligen CDU-Generalsekretär auch reichlich Irrtümer unterlaufen sind, hat er oft genug bewiesen, daß er weiter und klarer zu sehen und zu denken vermag als viele in seiner Partei, die über den nächsten Wahltermin nicht hinausblicken. Als einer der ersten in der Union hat Geißler in den siebziger Jahren die "neue so-(Fortsetzung Seite 2)