Von der Fassade bröckelt der Putz, Fenster sind mit Plakaten zugeklebt und die Eingangstüren sind von Graffiti verschmiert: Die Tage des Kinos Vorwärts in der Karlshorster Treskowallee sind gezählt. Baustadtrat Andreas Geisel (SPD) mag nicht mehr ausschließen, dass das Filmtheater am Bahnhof Karlshorst abgerissen werden muss. "Das Kino wurde bereits vor der Wende wegen Baufälligkeit geschlossen. Seitdem steht es leer." Eine Sanierung des zweigeschossigen Hauses wäre teurer als ein Neubau. "Es ist Zeit, dass der Schandfleck endlich verschwindet", sagt Geisel. Einem Abriss stehe im Grunde nichts im Wege. "Das Haus ist ja nicht denkmalgeschützt."Das Lichtenberger Bezirksamt kennt Interessenten, die an der Stelle Wohn- und Geschäftshäuser errichten wollen. "Wir wissen von Plänen. Allerdings sind die noch nicht sehr konkret", sagt Geisel. Mit einer so genannten Randbebauung könnte jedoch der Betrieb der benachbarten Trabrennbahn Karlshorst gerettet werden. Damit auf dem Areal weiterhin Pferderennen stattfinden können, müssten die Anlagen und Gebäude dort saniert werden. Neue Häuser auf dem Gelände des Kinos Vorwärts könnten den Eingang zur Trabrennbahn attraktiver machen. "Von Neubauten an der Treskowallee würde die Infrastruktur des Karlshorster Zentrums profitieren", sagt Geisel.Die Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) bestätigte auf Nachfrage, es gebe Pläne, auf dem Grundstück des Kinos zu bauen. "Das wäre eine von vielen Möglichkeiten", sagt TLG-Sprecherin Sabine Pentrop. "Das Filmtheater wird an dieser Stelle keine Zukunft mehr haben." Zwar gehöre das Gebäude inzwischen dem Bund. "Doch wir sind als Eigentümerin der Trabrennbahn mit allen Beteiligten im Gespräch, um die Entwicklung voranzubringen. Das Gelände hat ein ganz interessantes Entwicklungspotenzial."Wann Planentwürfe für das Areal des Kinos vorliegen werden, ist ungewiss. Die Treuhand-Nachfolgerin Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) überträgt die Immobilie in diesen Tagen an das Berliner Vermögensamt. "Es liegt an der Behörde, Gespräche mit Interessenten über das Gelände zu führen", heißt es.Die Anwohner haben sich mittlerweile damit abgefunden, dass es im Vorwärts nie mehr Filme zu sehen geben wird. "An den Anblick des heruntergekommenen Hauses haben wir uns leider schon gewöhnt", sagt Rentnerin Brigitte Laidler. Die 60-jährige Anwohnerin würde es nicht stören, wenn das Gebäude verschwindet. "Eine Grünfläche an der Ecke wäre viel schöner." Nach der Wende hatte es nur einen Interessenten für das Kino Vorwärts gegeben. Die Treuhand verkaufte das Filmtheater 1996 an die Immobilienfirma Grundag. Damals sollte auf dem Gelände der neue Sitz des Stromversorgers Bewag entstehen. Als die Bewag allerdings privatisiert wurde, waren auch die Pläne vom Tisch - die Grundag meldete daraufhin Konkurs an.BERLINER ZEITUNG/WULF OLM Das Kino Vorwärts in der Treskowallee: Die Anwohner würde es nicht stören, wenn der Bau abgerissen wird.

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