Jörg Haiders jüngste Erfolge sind nicht schön, aber auch chronische Gelenkentzündung kann sehr unangenehm werden. Das Frühstücksfernsehen, ein Dienstleistungsblumenstrauß aus Information, Service und Unterhaltung, stolpert scheinbar planlos von einem Phänomen zum anderen. Das muss kein falscher Ansatz sein. Am Morgen denkt der Mensch chaotisch. Mal sorgt er sich über seiner Getreideschale um die politische Lage, mal um die Gelenke. Die Morgenmagazine stochern gewissermaßen im Frühnebel des umnachteten Denkens.Weil aber niemand ohne Hoffnung in den Tag entlassen werden sollte, hat man den Morgenmoderator erfunden. Der Morgenmoderator ist das Wesen, welches lacht, auch wenn die allgemeine Lage keinen Anlass dazu bietet. Das ARD-Morgenmagazin beschäftigt drei sehr nette Moderatoren, die sich rituell necken und sicher durch den anbrechenden Tag navigieren. Die netteste von allen ist Inka Schneider. Andere Moderatorinnen knipsen ihr Lächeln an, wenn die Kamera leuchtet, Inka Schneiders Lächeln scheint schon mit der Morgensonne aufzugehen und trifft trostreich ins trübe Zuschauerauge. Man futtert die Informationen vertrauensvoll aus ihrer Hand. "Das nennt man Charme", sagt ein schreibender Kollege, "man hat ihn, oder man hat ihn nicht."Vom Leitzins zum DackelgriffDas Thema Leitzinserhöhung erklärt Inka Schneider anschaulich und energisch, desgleichen den so genannten Dackelgriff. Zum Dackelgriff rät der ARD-Gesundheitspapst Professor Bankhofer, denn er soll gegen Wetterfühligkeit helfen. "Man greift die Haut im Nacken und zieht, bis es schmerzt", erklärt Inka Schneider und demonstriert den Vorgang. Lässt nach einer Anmoderation eine "Schalte" auf sich warten, fällt ihr irgendetwas ein: "Ich weiß, ich sehe jetzt wahrscheinlich ziemlich dämlich aus, wie ich hier in die Kamera starre."Was im Morgenmagazin spontan und sympathisch wirkt, würde in der Tagesschau sonderbar aussehen. Auch deshalb findet Inka Schneider, dass das Frühprogramm eine gute Sache ist. "Ich muss mich nicht hinter einer professionellen Maske verstecken, ich spreche zu den Zuschauern genauso wie zu meinen Freunden." Man müsse improvisieren können und nicht nur Nachrichten verlesen, das sei ein Vorteil. An Inka Schneider haftet die öffentlich-rechtliche Schale locker, aber sie wird nicht zum Korsett. Inka Schneider hätte gerne mehr Zeit, an ihren Moderationen zu feilen und bewundert Kollegen wie Friedrich Küppersbusch für seine virtuos gedrechselten Wortspiele. Andererseits hält sie das Privatfernsehen nicht für das Ende der Zivilisation. Seit drei Jahren moderiert sie im ARD-Team. Als eine Kollegin krank wurde, stellte man sie ersatzweise vor die Kamera. Noch in der ersten Sendewoche kam ein Angebot von Sat 1. Sie lehnte ab.Da sie immer noch die Anstrengung eines Zwölfstundentages auf sich nimmt, der um Mitternacht beginnt, muss der WDR besondere Vorzüge bieten. So ist es: Die Atmosphäre sei "familiär", sagt Inka Schneider, man lebe mit dem Team wie in einer Wohngemeinschaft. Ein schönes Bild für das öffentlich-rechtliche Arbeiten, das ein Arbeiten mit eingeschränktem Risiko ist. Nach der Sendung dieses Morgens versucht das Haupt der Wohngemeinschaft, Redaktionsleiter Johannes Kaul, scharfen Tadel. Der Beitrag über Mannesmann und Vodafone sei mehr als dürftig geraten. Das geht so nicht! Die Ausreden der Redaktion sind vielfältig und fantastisch hier gab es gerade keinen Kameramann, dort wollte man einen Reporter nicht aus dem Schlaf reißen, und überhaupt müsse man auch noch mal mit der Nachtschicht reden, die wiederum gerade im Bett liegt Der Chef beginnt zu wanken. "Wir besprechen das nächste Woche noch einmal", murmelt Kaul vage. Sein Versuch, gefährlich zu wirken, ist damit beendet. "Wenn das hier ein privater Sender wäre, wäre das nicht so glimpflich ab gegangen", meint Inka Schneider nach der Sitzung. Was nicht heißen soll, dass sie das Kölner Funkhaus nur als geschütztes Biotop schätze. Sie hat weder Berührungsängste noch Vorurteile. "Auch Boulevardjournalismus kann informativ und gut gemacht sein." Das sei auch der Vorteil der bunten Themen im Morgenmagazin: "Man kann das spielerischer gestalten und bei den Moderationen mehr herumspinnen."Inka Schneiders Werdegang beweist, dass ein Studium der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation nicht völlig handlungsunfähig machen muss. Nach dem Studium in Berlin arbeitete sie gleich in der Werbeagentur Scholz & Friends. Die Werbebranche sei nicht ganz das Richtige für sie gewesen, wenngleich sie zur Wendezeit einen schönen Claim für die Zigarettenmarke "West" erfunden hat: "Früher Genossen heute genießen". Sie begann als Reporterin beim Rias Berlin, dann wechselte sie ins WDR-Regionalprogramm. Ihre Themen: Stadtfeste, die Suppenküche am Bahnhof und so weiter. Ein sinnvolles Training für das Frühstücksfernsehen, wo man naserümpfend nichts verloren hat. Auch ein Interview zum Thema Sodbrennen erledigt Inka Schneider mit höchster Aufmerksamkeit.Dem Lauf der Dinge vertrauenDas Dumme an guten Morgenmoderatoren ist, dass sie in einem Versteck arbeiten. Jedenfalls aus der Sicht der Langschläfer und all derer, die nicht auf die Idee kommen, frühmorgens den Fernseher anzuschalten. Inka Schneider hat man indessen schon im Abendprogramm gesehen, denn sie ist ein attraktiver Talkshowgast. Der NDR hat sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten Sven Kuntze eingeladen, der beim Morgenmagazin als Reporter arbeitet. Sven Kuntze ist darüber hinaus von allgemeinem Interesse, weil er einmal mit Doris Schröder-Köpf zusammengelebt hat. Zum Thema Kuntze sagt Inka Schneider, dass er ein genialer Interviewer sei, der unter den Zuschauern treue Fans habe.Eine Tätigkeit im Abendprogramm soll der Traum des karrierebewussten Fernsehmoderators sein. Die Kollegen Cherno Jobatey und Maybritt Illner von der ZDF-Frühschicht haben das vorgeturnt. Wenn das Frühprogramm ein Sprungbrett darstellt, so scheint Inka Schneider allerdings nicht auf den Zehenspitzen zu wippen. Eine strenge Karriereplanung sei nicht ihre Sache. Inka Schneider vertraut vielmehr dem Lauf der Dinge. "Bisher war ich immer zur rechten Zeit am richtigen Ort." Wenn der Zufall es will, hätte sie aber nichts dagegen, ein Reisemagazin zu moderieren Vater, Mutter und Bruder arbeiten als Flugbegleiter bei der Lufthansa, das prägt. Auch eine eigene Produktionsfirma könnte interessant sein. "Ich bin viel zu sehr Programmmacherin, als dass ich nur präsentieren möchte." Das Beispiel der Kollegin Maybritt Illner, die jetzt eine politische Talkshow am Abend moderiert, reizt sie nur bedingt. Wenn sie ähnliches täte, so Inka Schneider, müssten eher Menschen als Fakten im Mittelpunkt stehen.Bei ihrem nächsten außerplanmäßigen Auftritt steht sie selbst im Mittelpunkt. Alfred Biolek hat sie in seine Studio-Küche eingeladen, wo sie Wan-Tan-Suppe zubereiten wird. In der großen WDR-Wohngemeinschaft kochen zu dürfen, ist ein ganz eigenes Privileg."Ich muss mich nicht hinter einer professionellen Maske verstecken. " Inka Schneider