Wenn im August die neue Staffel der mit Fernseh-, Comedy- und Grimme-Preis üppig ausgezeichneten Serie "Doctor's Diary" im RTL-Programm startet, erweitert sich für Hauptfigur Dr. Margarete "Gretchen" Haase die Auswahl an gut aussehenden Männern. Neu im Rennen um die Gunst der jungen Ärztin, die so herrlich torschlusspanisch - 29 und noch keinen Mann! - durchs Klinikum stolpert, ist ein Nicht-Mediziner, den der Berliner Steffen Groth ("Alles auf Zucker!") spielt. Die Dreharbeiten zu der Serie von Autor Bora Dagtekin ("Türkisch für Anfänger") bringen ihn ins Schwärmen: "Eine der tollsten Produktionen, seit ich vor zwölf Jahren meine erste Hauptrolle hatte. Da bewies sich mal wieder die alte Weisheit: Die drei wichtigsten Dinge beim Film sind ein gutes Drehbuch, ein gutes Drehbuch und ein gutes Drehbuch." In dieser Serie, deren erste Staffel voriges Jahr bei Publikum und Kritik gut ankam, fühlte er sich als Schauspieler mal nicht deplatziert oder unterfordert: "Bei ,Doctor's Diary' ist es nicht wie in manchen anderen Serien, in denen man wie ein Pappkamerad vor einer Fototapete steht."Steffen Groth, der seit drei Jahren verheiratet ist und mit seiner Frau Silke sowie dem einjährigen Sohn Noah und dessen dreijähriger Schwester Sina in einer idyllischen Ecke von Pankow lebt, versteht viele seiner Kollegen nicht. "Die lassen Wochen oder sogar Monate ohne Engagement einfach so verstreichen, ohne an sich zu arbeiten." Für ihn wäre das undenkbar: "Kunst geht vor Leute. Ich muss mich also immer wieder fragen: Wie soll das auf die Leute wirken?" So hat ihm das sein Vater Konradin Groth, der 24 Jahre lang 1. Solotrompeter der Berliner Philharmoniker war und jetzt Professor an der Universität der Künste ist, immer vorgelebt: "Vor jedem großen Konzert hat er sieben bis acht Stunden pro Tag geübt." Und so erlebt es der 34-Jährige auch bei älteren Kollegen wie Henry Hübchen: "Er kämpft um jedes Wort, bei ihm muss alles stimmen." Groth bereitet jede Rolle akribisch vor: "Ich bin immer vorbereitet. Auch, wenn es mal nur Geldverdienen ist." Das kommt vor: "Ich habe auch schon mal einen Film nur deshalb gedreht, weil ich das Honorar brauchte, um einen eigenen Film finanzieren zu können."Seit er elf ist, wusste Groth, dass er Schauspieler wird. "Ich wollte das unbedingt. Ich habe mich richtig reingehängt, war auf Kinder-Castings, bei denen ich nie genommen wurde." Diese frühen Misserfolge konnten ihn nicht von seinem Wunschberuf abbringen. Die Theater-AG an seiner Schule war eigentlich nur für Schüler ab der 10. Klasse. Als Groth in der 7. war, wollte er sich damit nicht abfinden: "Ich habe die bekniet: Ich spiele alles - Kellner, Henker - völlig egal!" Er wurde genommen und durfte spielen, was die anderen nicht spielen wollten. Später an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch machte ihm die Ablehnung, die einige Dozenten ganz pauschal gegen den Film zeigten, zu schaffen: "Anfang des dritten Studienjahres hatte ich eine Hauptrolle in ,Zwischen den Feuern' und wurde seitdem beschimpft: Du gehst ja eh zum Film!"Mit seinen etwa 40 Drehtagen pro Jahr steht Steffen Groth im Vergleich zu vielen Kollegen gut da. Dieses Jahr sind sogar schon 70 fest gebucht oder absolviert. Zu Weihnachten wird er in der neuesten "Traumschiff"-Folge im ZDF zu sehen sein. Die fünf Wochen auf See bestanden nicht nur aus Drehtagen. Seine freie Zeit hat Groth allerdings nicht auf dem Sonnendeck verbracht: "Ich saß in der Kabine und habe ein Drehbuch geschrieben."------------------------------Foto: Steffen Groth ist demnächst regelmäßig auf RTL zu sehen.