Die Welt des Volkmar Arnulf ist gediegen. Ein antiker Schreibtisch, ein braunes Ledersofa - abgewetzt, aber edel. Ein wandgroßer Spiegel dient nicht der Eitelkeit, sondern ist Handwerkszeug. Arnulf schneidert für Prominente.Das wenige an Persönlichem, das sich im Arbeitszimmer von Berlins angesehenstem Herrenschneider findet, fällt in dieser Strenge doppelt auf: Eine kleine Büste von König Friedrich, den sie den Großen nannten, und das Porträt eines italienischen Schneiders. Zwischen preußischer Disziplin und Gespür für Stil hat Arnulf sein Leben eingerichtet. Der Rest sind Stoffe. In schulterhohen Regalen stapelt sich feinstes englisches Tuch. Aus ihnen zaubert Volkmar Arnulf Sakkos, Hosen und Fracks. Alles handgearbeitet, alles klassisch aber immer mit Pep. "Ich will meine Kunden nicht verkleiden, sondern ihre Wünsche verwirklichen. Wie ein Bildhauer möchte ich die Stoffe am Körper modellieren."In seinem Laden am Kurfürstendamm, dort wo sich der alte Boulevard noch ein Stück Glanz von einst bewahrt hat, sitzt er entspannt an seinem Schreibtisch. Die Haare kurz geschnitten, Lachfalten um die Augen. Der 58jährige wirkt wie das Klischeebild vom Mann in den besten Jahren. Darauf angesprochen, lächelt er mehr nachsichtig als geschmeichelt. Protz ist nicht seine Art, schon gar nicht bei der Arbeit. "Handwerkliche Qualität, Stil und Eleganz sind mir wichtiger als überzogene Designer-Phantasien." Maßgeschneidertes ist für ihn eine Mischung aus Handwerk und Kunst.Seinen ersten eigenen Anzug hat er sich mit 16 Jahren genäht. Volkmar Arnulf war damals noch ein kleiner Schneiderlehrling in Berlin und verdiente stolze 30 Mark im Monat. "Meine Mutter mußte nach dem Krieg allein für mich und meine Brüder sorgen. Da konnte ich nicht länger zur Schule gehen." Ganz freiwillig hat er sich seinen Beruf also nicht ausgesucht. "Doch wenn ich etwas anfange, dann mache ich es auch richtig." Er wurde Zuschneidevolontär, arbeitete nur fürs Salz, weil ich lernen wollte." 1962 legte er seine Meisterprüfung ab und machte sich selbständig. Fünf Jahre später ging er mit seinem Atelier zum Ku'damm.Jetzt ist seine Kundenkartei voll. Unter dem Buchstaben "K" findet sich da ein ganz besonders beleibter Kunde. Volkmar Arnulf schneidert des Kanzlers Kleider. "Schon seit mehr als 20 Jahren", wie er sagt. Angeben oder gar mit Helmut Kohl werben würde er nie. Diskretion ist erstes Gebot. "Gäbe es die Journalisten nicht, wüßte es gar keiner." Und so werden des Kanzlers Maße inklusive aktuellem Bauchumfang ebensowenig verraten, wie die der anderen Kunden. Nur soviel gibt Arnulf preis. Helmut Kohl will "kein Modegeck sein". Er entscheide selbst über Form und Farben - bevorzugt blau und grau - seiner Anzüge. "Und das macht er ziemlich kurz entschlossen." 50 bis 70 Arbeitsstunden benötigen Arnulf und seine Mitarbeiter für Sakko und Hose. Für den Zweireiher des Kanzlers brauchen sie höchstens ein bißchen mehr Stoff. Es sollen fast genau 3,70 Meter sein.