Seit mehr als einem Jahr haben wir montags an dieser Stelle an Fernsehsendungen vergangener Jahre erinnert. Nun beenden wir die Reihe. Zum Abschluss: "Zwischen Frühstück und Gänsebraten", DDR-Fernsehen: Kartoffeln aufsetzen!

Am ersten Weihnachtsfeiertag 1985 standen sie wieder nebeneinander vorm geschmückten Tannenbaum: Margot Ebert und Heinz Quermann moderierten einträchtig "Zwischen Frühstück und Gänsebraten". Die Matinee, stets angekündigt als "bunter Weihnachtsteller mit viel Musik und Humor", war eine heimelige TV-Show wie jede andere. In der Ausgabe von 1985 etwa sangen Monika Hauff & Klaus-Dieter Henkler und Roland Neudert ihre Schlager. Daneben trat Kammersänger Eberhard Büchner auf, und Jochen Petersdorf erzählte eine parodistische Märchengeschichte. Das Besondere der Sendung war die Zelebrierung als Ritual: Seit 1957 sendete das DDR-Fernsehen am ersten Weihnachtsfeiertag ab elf Uhr "Zwischen Frühstück und Gänsebraten". Die Schauspielerin und Sängerin Margot Ebert war zur Premiere Anfang Dreißig, Heinz Quermann Mitte Dreißig. Beide begrüßten ihre Zuschauer noch, als sie im Rentenalter waren. In den ersten Jahren kam die Sendung live aus dem Friedrichstadt-Palast, später wurde die Weihnachtsstimmung vorab hergestellt. Eine feste Tradition war das Kommando, das 20 Minuten vor Show-Ende, so gegen halb eins, an die Fernsehzuschauer gegeben wurde: "Kartoffeln aufsetzen!" Doch die harmonische Eintracht vor der Kamera war gespielt. Die Spekulation über das Verhältnis zwischen den Gastgebern war fast so beliebt wie ihre Sendung. Tatsächlich fühlte sich Margot Ebert, die nicht nur moderierte, tanzte und sang, sondern in der Show auch ihre eigenen Gedichte vortragen wollte, von ihrem dominanten Partner immer stärker unterdrückt. Doch der Gegendruck von außen war groß: Als Quermann in der 20. Ausgabe bekannt gab, dies sei sein letzter "Gänsebraten", klingelte noch während der Sendung das Telefon in der Fernsehzentrale in Adlershof: Die Parteispitze, die selbst gern eherne Traditionen zelebrierte, wünschte sich dringend eine Fortsetzung, natürlich auch die Zuschauer. 1984 dann spielte Margot Ebert nicht mehr mit und ließ Heinz Quermann allein vorm Tannenbaum stehen. Auch diesmal beschworen viele Zuschauer die Moderatorin, so dass sie im folgenden Jahr zurückkehrte und noch bis 1991 mit Heinz Quermann das Kommando zum Kartoffeln aufsetzen gab. Danach tingelte Quermann mit einer Bühnenshow gleichen Namens und anderen Partnerinnen noch ein paar Jahre durch ostdeutsche Kulturhäuser. Die beiden Moderatoren konnten ihre Privatfehde endlich öffentlich austragen. Selbst bei Quermanns Beerdigung vor einigen Wochen wurde die Ebert böse angezischt. Der RBB Brandenburg zeigt die 85er Ausgabe von "Zwischen Frühstück und Gänsebraten" in dieser Woche zur traditionellen Zeit: am ersten Weihnachtsfeiertag um elf Uhr.BERLINER VERLAG Gespielte Eintracht für die Kamera: Margot Ebert und Heinz Quermann.