Das ist eine ganze Menge", sagte Petra Reetz, Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD). Gemeint sind die Einwendungen gegen den vorgesehenen Wiederaufbau der Dresdener Bahn. Rund 4 000 dieser Einsprüche sind beim Senat eingegangen. Die Briefe kommen nicht nur von Bürgern aus Tempelhof und Steglitz, die an der geplanten Fern- und Regionalbahnstrecke leben. Auch das Land Berlin gab eine umfangreiche Einwendung zu Protokoll. Darin wird bemängelt, dass dieses Bauvorhaben landeseigene Grundstücke und Gebäude beeinträchtige - unter anderem ein Jugendwohnheim und eine Pflegeeinrichtung in Lichtenrade. Das Rechtsanwaltsbüro Reiner Geulen hat für den Senat ein Gutachten zu dem 686-Millionen-Mark-Projekt verfasst. Geulens Mitarbeiter Remo Klinger warnte die Deutsche Bahn (DB) vor einem "hohen Prozessrisiko". "Die Lärmschutzmaßnahmen reichen bei weitem nicht aus", sagte er der "Berliner Zeitung". "Stadtzerstörerische Planung" Wie berichtet, will die Deutsche Bahn die 1952 stillgelegte Strecke doppelgleisig für Tempo 160 wieder aufbauen. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn verspricht: "Wenn der Großflughafen Schönefeld fertig ist, geht auch die Dresdener Bahn in Betrieb" - nach der jetzigen Planung also 2007. Wo einst Dampfzüge zum Anhalter Bahnhof rollten, soll der Airport-Express mit Tempo 160 in rund 20 Minuten vom neuen Lehrter Bahnhof zum Airport südöstlich von Berlin rasen. Doch die DB will die Dresdener Bahn ebenerdig wieder aufbauen. "Dann würde sie Lichtenrade oberirdisch zerschneiden. Dies ist eine stadtzerstörerische Planung", sagte Strieder. Auch der Lärmschutz sei ungenügend, sagen Politiker und Anwohner. Zwar plane die DB bis zu vier Meter hohe Lärmschutzwände. "Doch weil diese nicht immer ausreichen, müssen rund 130 Gebäude mit Lärmschutzfenstern und Lüftungseinrichtungen ausgerüstet werden", sagte Anwalt Klinger. "Deren Bewohnern wäre es künftig nicht mehr möglich, bei offenen Fenstern zu schlafen." Noch gravierender wären die Vibrationen, die von den Zügen ausgehen. Sie würden die Anlieger der Dresdener Bahn so sehr beeinträchtigen, dass die DB "den Grundstückseigentümern Entschädigung zahlen müsste", sagte der Jurist voraus. Der Senat wertet nun die Einwendungen gegen das Projekt aus. Für Sommer 2001 ist eine "Erörterungsveranstaltung" mit den Betroffenen geplant. Dann entscheidet das Eisenbahn-Bundesamt, ob es den Bau genehmigt. Anwalt Klinger erwartet, dass Anlieger den Planfeststellungsbeschluss vor dem Bundesverwaltungsgericht anfechten: "Die DB muss sich darüber klar werden, dass das Projekt in einem Debakel endet, wenn sie sich nicht zu einer Umplanung entschließt." "Berlin muss sich entscheiden""Die Probleme sind nur dadurch zu lösen, dass die DB für die Dresdener Bahn in Lichtenrade einen Tunnel baut", sagte Strieder-Sprecherin Reetz. Doch noch immer haben sich der Senat und der Bauherr nicht über die Finanzierung geeinigt. Gabriele Schlott von der DB Projekt Verkehrsbau: "Wenn wir die Strecke in Lichtenrade wie geplant ebenerdig wieder aufbauen, kostet das 125 Millionen Mark. Verläuft die Fern- und Regionalbahn in einem Tunnel, kostet dieser Abschnitt 256 Millionen Mark. Kommt dort noch die S-Bahn hinzu, werden 291 Millionen Mark fällig." Das Land Berlin will allerdings weiterhin nicht mehr als 62 Millionen Mark beisteuern. "Es kämen also enorme Mehrkosten auf die Bahn zu", sagte Schlott. Die Planer hielten den Lärmschutz für ausreichend. Intern übte die DB Kritik am Senat. Ein Experte sagte: "Einerseits will das Land eine schnelle Verbindung zum Flughafen, andererseits verlangt er einen teuren Tunnel in Lichtenrade. Berlin muss sich entscheiden."Genehmigungsverfahren hat begonnen // Auf der Dresdener Bahn sollen ab 2007 die Fernzüge aus Prag, die Regionalzüge aus Zossen und der Airport-Express aus Schönefeld zum Lehrter Bahnhof rollen. Der Bau der 14,2 Kilometer langen Strecke Südkreuz-Blankenfelde kostet 686 Millionen Mark.In Lichtenrade will die DB das Doppelgleis ebenerdig bauen. Fast zwei Jahre hatte sich der Senat geweigert, das Genehmigungsverfahren zu beginnen. Erst vor kurzem ließ er die Pläne auslegen. Bürger konnten Einsicht nehmen und Einwendungen erheben.ARCHIV BERLINER ZEITUNG 1903 raste dieses Fahrzeug durch Lichtenrade. Es kam später auf Tempo 206.