Die Archäologen berichten immer öfter von Sensationsfunden - sie haben die Reste des alten Berliner Rathauses gefunden und Spuren der ersten Berliner entdeckt. Am Petriplatz, der bedeutendsten Ausgrabungsstelle der Stadt an der Gertraudenstraße in Mitte, soll deshalb ein archäologisches Zentrum eingerichtet werden. Das Konzept dafür ist seit Monaten fertig, eine Finanzierung will der Senat aber nicht übernehmen. Er hat das seit drei Jahren geplante Vorhaben aus seiner Finanzplanung für das kommende Jahr gestrichen. Auch die Erweiterung des Märkischen Museums ist vorerst gestrichen und um zwei Jahre verschoben.Am Petriplatz haben die Archäologen schon im Jahr 2007 die Grundmauern einer alten Lateinschule sowie der Petrikirche freigelegt, die erstmals 1285 erwähnt wurde. Das Landesdenkmalamt bewertet diese Funde als äußerst wertvoll, weil sie Zeugnisse für die frühe Besiedlung der Doppelstadt Cölln-Berlin sind. Schnell wurde die Idee entwickelt, die Mauern nicht wieder zuzuschütten, sondern sie zugänglich zu machen. Für die Berliner und die Touristen soll an diesem Ort zugleich ein archäologisches Zentrum entstehen. 1,4 Millionen Euro muss das Land investieren, damit die von der Wirtschaftsverwaltung bereits zugesagten Fördermittel in Höhe von weiteren 14 Millionen Euro bereitgestellt werden. Doch der Landesanteil steht nicht im Haushalt, bestätigt Mathias Gille, Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Man habe die Finanzierung nicht aufgenommen, weil das Konzept für das Besucherzentrum noch nicht abschließend mit den Partnern wie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz diskutiert wurde. Bis zum Jahresende wolle man Klarheit haben und die Finanzierung sicherstellen. "Nur weil das Geld nicht im Haushalt steht, heißt das nicht, dass wir die Ausgrabung verrotten lassen", so Gille.Berlins Denkmalpfleger sind da aber skeptisch. Zwar weisen die mittelalterlichen Grundmauern, die nur notdürftig durch ein Blechdach geschützt sind, noch keinen Verfall auf. Ob sie aber einen weiteren harten Winter überstehen, ist fraglich. Dass die Millionensumme nicht bereitgestellt wird, bewerten die Archäologen als "herben Schlag", weil die Mauern nicht konserviert und geschützt werden könnten. "Es lag ein geprüftes Konzept vor", sagt ein Denkmalpfleger. Es sei ungewiss, ob das Besucherzentrum wie geplant 2015 eröffnet werden könne.Ähnlich unübersichtlich ist auch die Situation vor dem Roten Rathaus. Dort haben Archäologen Säulen und Hallenreste des alten Berliner Rathauses aus dem 13. Jahrhundert gefunden. Die Mauern sollen in den Neubau des künftigen U-Bahnhofs integriert werden. Die BVG hat bereits umgeplant und einen Ausgang verlegt. Wie die historischen Fundamente gesichert und präsentiert werden sollen, darüber verhandeln Senat und BVG noch immer.Dem Spardruck des Senats geopfert wurde auch die Sanierung des Märkischen Museums und dessen Erweiterung im Marinehaus. Von "klarer Prioritätensetzung im Kulturbereich" spricht Kulturstaatssekretär André Schmitz und davon, dass der Neubau einer Zentral- und Landesbibliothek die wichtigste Investitionsmaßnahme sei. Für das Märkische Museum war bereits vor drei Jahren ein Wettbewerb entschieden worden, 41 Millionen Euro sollte der Bau kosten. Dass der Geldhahn für ihr Museum jetzt zugedreht wurde, bezeichnet Generaldirektorin Franziska Nentwig als "bittere Pille". Die Erweiterung sei aber nicht in Frage gestellt.------------------------------Archäologischer PfadDer Senat will einen archäologischen Pfad durch die historische Mitte einrichten. Ausgangspunkt soll das künftige archäologische Zentrum am Petriplatz sein. Der Pfad soll zu den freigelegten Schlosskellern führen, die ins künftige Humboldt-Forum integriert werden sollen. Weitere Stationen sind die Ausgrabungen vor dem Roten Rathaus, das Nikolaiviertel mit der Nikolaikirche sowie der Jüdenhof. Dort haben vor kurzem Ausgrabungen begonnen, vermutet wird eine alte Synagoge.Das archäologische Zentrum soll in einem neuen Wohn- und Geschäftshaus eingerichtet werden, das über den freigelegten Fundamenten einer Lateinschule gebaut werden soll. Die historischen Mauern bleiben sichtbar. Im Erdgeschoss wird ein Museum mit den Funden vom Petriplatz, darunter 50 alte Teller und Krüge, eingerichtet. Das Museum für Vor- und Frühgeschichte wird Werkstätten betreiben.------------------------------Karte: AusgrabungsstättenFoto: Ausgrabung am Petriplatz in Mitte: In mehr als 2000 Gräbern wurden tausende Skelette gefunden. Die ältesten Bestattungen reichen bis in das 12. Jahrhundert zurück.