Das war knapp. Beinahe in letzter Minute wird ein Straßenbahn-Bauprojekt im Südosten Berlins gerettet. Noch 2007 will der Senat damit beginnen, die Wissenschaftsstadt Adlershof besser ans Tramnetz anzuschließen. Im August möchte er das Vorhaben, dessen Genehmigung sonst in diesem Jahr verfallen wäre, beschließen. "Wir werden die Strecke bauen, das steht fest", sagte Manuela Damianakis, die Sprecherin von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Dagegen kommen wichtigere Straßenbahn-Projekte nur langsam voran.Die Strecke soll vom S-Bahnhof Adlershof, wo die Linien 60 und 61 heute enden, zwei Kilometer weit in die Wissenschaftsstadt führen - erst über die Rudower Chaussee, dann in die Max-Born-Straße. Der boomende Forschungs-, Uni- und Wirtschaftsstandort ist dann besser erreichbar. Derzeit wird der Großteil dieses Gebiets im Nahverkehr nur durch oft volle Busse erschlossen.Anfangs sollte die Bahnlinie 1999 fertig sein. Der Planfeststellungsbeschluss, der den Bau genehmigt und nur fünf Jahre gilt, liegt seit 2002 vor. Zwar wurde von den Kosten in Höhe von 14 Millionen Euro schon mehr als die Hälfte verbaut. So entstand zur Stromversorgung ein "Unterwerk" (das später nach Mitte umgesetzt wurde). Doch im Senat wuchsen die Zweifel, ob die Strecke nötig sei. Auch die Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) waren skeptisch: Das Teilstück sei "noch nicht wirtschaftlich", hieß es 2000 in einem internen Papier. Ein "zügiger Weiterbau" über den Groß-Berliner Damm nach Schöneweide wäre sinnvoll - aber der ist nicht in Sicht.Wichtigere Projekte liegen auf EisLange geschah nichts - bis der Verkehrsausschuss im Juni den Senat aufforderte, "unverzüglich" zu beginnen. Allerdings müssen die Arbeiten europaweit ausgeschrieben werden - das könnte dauern. Der Senat rechnet mit einer Bauzeit von zwei Jahren. Anfangs erwartete die BVG täglich 5 000 Fahrgäste auf der Strecke, nun sind es rund 9 000.Im Vergleich dazu sind andere Straßenbahn-Projekte im Zentrum bedeutsamer. Doch für die Strecke über die Leipziger Straße zum Kulturforum beschloss der Ausschuss lediglich die "planerische Vorbereitung" - obwohl die BVG dort mit 50 000 Fahrgästen pro Tag rechnet. Auch soll der Senat mit der Planung der Trasse vom Hauptbahnhof zum U-Bahnhof Turmstraße (26 000 Fahrgäste) beginnen. Von dem Plan, eine Bahn von der Warschauer Straße durch Kreuzberg zum Hermannplatz zu bauen (22 000 Reisende), ist dagegen nicht mehr die Rede.