Wenn Charlie Pieroth vom Verein Luftbrücke Chapter auf das Thema zu sprechen kommt, wird er schnell etwas ungehalten. Und auf jeden Fall will er die Gelegenheit nutzen, heute Vormittag Klaus Wowereit die Meinung zu sagen. Das Ende der Blockade Berlins jährt sich zum 62. Mal. Bei der Feierstunde am Luftbrückendenkmal in Tempelhof wird natürlich auch Berlins Regierender ein Grußwort halten. Aber er wird sich wohl auch Einiges anhören müssen. Denn seit Jahren setzen sich Vereine wie Luftbrücke Chapter dafür ein, den legendären, mittlerweile 90 Jahre alten "Candy-Piloten" Gail Halvorsen zum Ehrenbürger Berlins zu ernennen. Aber vom Senat hat Vorstandsmitglied Pieroth eine Absage erhalten.Seit Montag ist Gail Halvorsen wieder in der Stadt. Von den Veteranen der Luftbrücke wird er auch als Symbolfigur für die deutsch-amerikanische Freundschaft gefeiert. Natürlich wohnt der noch immer überaus agile Luftwaffen-Oberst a.D. während seines Aufenthaltes bei Mercedes Wild in Friedenau. Das hält er schon seit über 30 Jahren so. Seit er die Stadt nach vierjährigem Einsatz als Kommandant des Flughafens Tempelhof 1974 verließ.Mercedes Wild war in den Jahren 1948/49, als die Sowjetunion die Versorgungswege von und nach West-Berlin kappte; noch ein Kind. Eines jener Kinder, die durch Gail Halvorsen wieder neuen Lebensmut fassten. "Anfangs hatten wir Angst, als die alliierten Flugzeuge kamen", erinnert sich die 70-Jährige. "Wir kannten diese Geräusche ja aus dem Krieg." Aber dann sah Mercedes Wild, wie aus einem Flieger weiße Tücher gefüllt mit Süßigkeiten auf ihren Schulhof fielen. Sie war nicht schnell genug, bekam nichts ab. Sie schrieb, adressiert an den Flughafen Tempelhof, einen Brief an den "Schokoladen-Onkel" mit der Bitte, auch Päckchen über ihrem Garten abzuwerfen. Als Antwort erhielt sie ein Kuvert von Leutnant Halvorsen mit einem Kaugummi und einem Lutscher.Kennengelernt haben sich die Familien erst, als Halvorsen in den 70er-Jahren als Flughafenkommandant zurückkehrte. Bei einem Tag der offenen Tür in Tempelhof erzählte ihm Wilds Ehemann von der Geschichte, und er konnte sich daran erinnern. Entstanden ist daraus eine enge Familienfreundschaft, bis hin zu den Enkeln und Urenkeln. "Wir sind ein Dreamteam der deutsch-amerikanischen Freundschaft", sagt Wild, die als Zeitzeugin bundesweit und in den USA vor Schulklassen auftritt.Im Alliierten-Museum an der Clayallee, ganz in der Nähe von seiner früheren Dienstwohnung, wurde Halvorsen gestern mit einem Empfang für sein Engagement geehrt. "Berlin is my zweite Heimat", sagt Halvorsen, der die Stadt fast jedes Jahr besucht. Auch zur Feierstunde mit dem Regierenden ist er eingeladen.Dass er nicht als Ehrenbürger der Stadt daran teilnehmen kann, wie es auch schon der Bezirk Steglitz-Zehlendorf beantragt hat, hält die Senatskanzlei für begründbar. "Wir wollen keine Unterschiede machen zwischen all jenen, die unter Einsatz ihres Lebens damals die Versorgung Berlins gesichert haben", sagt Vize-Senatssprecher Günter Kolodziej. "Deswegen würdigen wir die Helden und die Opfer der Luftbrücke jedes Jahr mit einer Gedenkveranstaltung." Eine Symbolfigur, meint er, sei Gail Halvorsen, der bereits mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, auch ohne Ehrenbürgerschaft. Den "Candy-Piloten" selbst scheint die Debatte kalt zu lassen. "I dont mind", sagt er. Seine Gefühle zu Berlin beeinflusse das nicht.------------------------------"In den USA gilt Halvorsen als Mr. Luftbrücke, dort ist er viel bekannter als hier." Charlie Pieroth, Luftbrücke Chapter e.V.Foto: Gail Halvorsen kommt noch immer gerne nach Berlin. Hier wohnt er bei Mercedes Wild, die er vor 62 Jahren mit seinen Süßigkeiten glücklich machte.