Im Berliner Stadtzentrum entsteht bis zum Jahr 2005 eine zweite Nord-Süd-S-Bahn. Der Senat hat der Deutschen Bahn (DB) zugesichert, dass er die Kosten für den Bau einer Direktverbindung zwischen dem neuen Lehrter Bahnhof und dem Nordring vorstreckt. Dies teilten Mitarbeiter der DB und der Verkehrsverwaltung am Montag mit.Dank des geplanten Nord-Abschnitts der Linie S 21 lassen sich der künftige Zentralbahnhof sowie das benachbarte Parlaments- und Regierungsviertel besser erreichen. Fahrgäste aus dem Norden und Nordosten Berlins können künftig mit der S-Bahn in diesen Teil des Stadtzentrums fahren, ohne wie bisher am Bahnhof Friedrichstraße umsteigen zu müssen. Auch aus Richtung Jungfernheide wären direkte S-Bahn-Züge zum Lehrter Bahnhof möglich. Kurz bevor die S 21 die Ringbahn erreicht, teilt sich die Strecke: in einen östlichen Ast, der vor dem S-Bahnhof Wedding auf die Ringbahn trifft, und in einen westlichen Ast, der nahe der Station Westhafen an den Ring anschließt.Neue Pläne nach ICE-Unglück Rund 160 Millionen Mark kostet der Strecken-Rohbau, den der Senat vorfinanzieren will. Wenn im Jahr 2001 damit begonnen wird, die restlichen Tunnelanlagen des Lehrter Bahnhofs zu errichten, soll die unterirdische Station für die S 21 dort gleich mit eingebaut werden. "Das ist bautechnisch sinnvoll", sagte der DB-Konzernbeauftragte Peter Debuschewitz. Ist der Zentralbahnhof erst einmal fertig, wäre ein nachträglicher Einbau des S-Bahn-Tunnels sehr schwierig. Die DB geht davon aus, dass die S 21 zugleich mit dem Tunnel der Fern- und Regionalbahn eingeweiht werden kann nach jetzigem Stand Mitte 2005.Der S-Bahn-Ring, an den die S 21 anschließt, wird in zwei Etappen geschlossen. Vom 20. Dezember an fahren nach mehr als 19 Jahren Pause wieder Züge über Jungfernheide hinaus zum Westhafen. Bis Ende 2001 folgt das letzte Ring-Teilstück Westhafen Schönhauser Allee. Für ein weiteres Großprojekt der DB, den Umbau des Ostkreuzes, soll in den nächsten Monaten die Genehmigung beantragt werden. "Wir reichen noch in diesem Jahr die Planfeststellungs-Unterlagen ein", sagte Claudia Ruttmann von der DB Projekt GmbH Knoten Berlin. Die Entwürfe für die seit Jahrzehnten versprochene Modernisierung, die voraussichtlich 2001 beginnt und rund sieben Jahre dauert, mussten kurzfristig verändert werden. "Anlass war das Unglück von Eschede", sagte ein DB-Mitarbeiter. Dort war 1998 ein Intercity Express entgleist und gegen einen Brückenpfeiler geprallt. Um solche Risiken zu verringern, wurden in den Plänen für das Ostkreuz alle Pfeiler aus dem Gleisbereich auf die Bahnsteige verlegt.