Senat will U-Bahnen sonntags alle fünf Minuten fahren lassen und dafür im Busverkehr sparen: Stahl statt Gummi

Mehr Bahnen, weniger Busse: Nach diesem Motto krempelt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung das Angebot der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) um. Das geht aus dem Konzept für den neuen Nahverkehrsplan hervor. Die größte Verbesserung: U-Bahn-Fahrgäste sollen sonntags nicht mehr so lange warten müssen. Auf den meisten Strecken will der Senat tagsüber alle fünf statt wie bisher alle zehn Minuten einen Zug verkehren lassen. "Damit kann die U-Bahn auch an Sonntagen mit dem Auto konkurrieren", sagte ein Planer. Bei der Straßenbahn nimmt die Zahl der Kilometer, die alle Züge im Jahr zurücklegen, ebenfalls um zwei Prozent zu. Dafür wird im Busverkehr gekürzt.Zum Dezember hatte der Senat bei der BVG bereits abends und sonnabends zusätzliche U-Bahn-Fahrten bestellt. Jetzt plant er einen Nachschlag für die Fahrgäste. "Grundsätzlich sollen alle Linien sonntags zwischen 13 und 19 Uhr im Fünf-Minuten-Takt bedient werden", sagte Petra Rohland, die Sprechern der Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Dies soll vom zweiten Vierteljahr 2011 an gelten. Ausnahmen sind Strecken, auf denen zu wenig los ist. So bleibt auf den Linien U 3, U 4, U 55 sowie Teilen der U 2, U 5 und U 8 alles, wie es ist. Auf der U 9 kommt am Sonntag bereits jetzt alle fünf Minuten eine U-Bahn.Experten hatten untersucht, ob es nicht sinnvoller wäre, die Züge stattdessen am späten Abend öfter fahren zu lassen. "Doch die Analysen ergaben, dass es sonntags die größten Potenziale gibt, mehr Fahrgäste zu gewinnen", so Rohland. Wer öfter mal U-Bahn fährt, der weiß, dass die Züge am Sonntag ähnlich voll sind wie in der Woche. Wegen der langen Wartezeiten sind die Fahrgäste gegenüber Autofahrern aber klar im Nachteil. Das wird besonders spürbar, wenn man umsteigen muss und der letzte Zug gerade weg ist. Ein Fünf-Minuten-Takt werde die U-Bahn attraktiver machen, so die BVG. Sie erwartet 2,5 Millionen zusätzliche Fahrgäste pro Jahr.Auch für Straßenbahnfahrgäste plant der Senat Verbesserungen - ebenfalls ab 2011. Dann fahren in Pankow mehr Züge nach Niederschönhausen und Buchholz, weil dort der Bedarf wächst. Das gilt auch für die gut genutzten Linien M 4 und M 5 zwischen Mitte und Hohenschönhausen. Zudem soll es eine neue Direktverbindung geben: Die Linie 23 verbindet das Virchow-Klinikum mit dem Alexanderplatz - über die See-, die Bornholmer und die Wisbyer Straße sowie über die Prenzlauer Allee. "Das bedeutet für viele Fahrgäste, dass sie weniger oder gar nicht mehr umsteigen müssen", hieß es.Express zum neuen FlughafenDamit die neuen Angebote finanziert werden können, muss allerdings beim Bus gestrichen werden. Nach den jetzigen Planungen soll in Zehlendorf der Busverkehr vor sechs Uhr früh ausgedünnt werden. In Neukölln fällt die Linie 344 weg, in Weißensee die 259, in Spandau die 337. Kürzungen sind für die Linien 192 und 251 geplant.Es gibt aber auch neue Verbindungen - zum Beispiel zum neuen Flughafen Berlin Brandenburg, der 2011 in Schönefeld öffnet. Der Expressbus X 11, der in Zehlendorf/ Dahlem beginnt, wird den Südwesten und Süden Berlins mit dem Airport verbinden - zwischen Rudow und dem Terminal ohne Halt, damit es schnell vorangeht.------------------------------An den Ampeln gibt's kein Halten mehrGrafik: Mehr U-Bahn-Fahrten am Sonntag: Das ist nicht die einzige Neuerung im Nahverkehrsplan 2010-2014.Zum Flughafen Berlin Brandenburg, der 2011 öffnet, werden vier BVG-Buslinien führen. In Zehlendorf/ Dahlem startet der Expressbus X 11. Am U-Bahnhof Rudow kommt der X 7 hinzu, so dass es ab dort einen Fünf-Minuten-Takt gibt. Am S-Bahnhof Grünbergallee beginnt die Linie 163, am alten Flughafenbahnhof die 164.Das Tegeler Airportgelände ist nach Ende des Flugbetriebs 2011 nur mit einer Buslinie erreichbar: der neuen 323 ab Jakob-Kaiser-Platz. Der TXL wird auf Alexanderplatz-Beusselstraße begrenzt und heißt dann neu X 5.An jeder Ampel freie Fahrt: So ein Projekt plant der Senat für Abschnitte der Tramlinie M 1 und einer Buslinie, die noch nicht feststeht. Beide werden so beschleunigt, dass nur noch an Haltestellen gestoppt wird.