Der Molken- und der Spittelmarkt in Mitte sollen umgebaut werden - und zwar so, dass künftig ein Drittel weniger Fahrzeuge als heute diese Knotenpunkte passieren können. Damit will der Senat die Verbindung über die Gruner- und Leipziger Straße, die täglich von bis zu 65 000 Fahrzeugen genutzt wird, weniger durchlässig machen. Beim Platzumbau dürfe es aber nicht bleiben, sagte Senatsbaudirektor Hans Stimmann während des 61. Architekturgesprächs. Er forderte, dass die Grunerstraße pro Richtung nur zwei Fahrstreifen für den fließenden Verkehr behält. Die dritte Spur sollte als Park- oder Standstreifen genutzt werden. Die Planung sieht ebenfalls drei Fahrspuren pro Richtung vor - aber vorrangig für den fließenden Verkehr. Der Molkenmarkt sei "ein Ort, der aus der Stadt gefallen ist, begraben unter einer Stadtautobahn", sagte der SPD-Politiker. Der Platz südlich vom Roten Rathaus zeige den "Brutalismus", den Planer auch in West-Berlin angewandt hätten. Durch Entschleunigung müsse der Ort rückgewonnen werden. Vor allem deshalb, weil am Molkenmarkt Häuser, auch mit Wohnungen, entstehen sollen. Urbane Qualität, die für Investoren und Mieter attraktiv sei, müsse mit dem Massenverkehr in Einklang gebracht werden. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf des Straßenlands will der Senat die Umgestaltung finanzieren. Einen Termin gibt es dafür noch nicht. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club, die CDU und die FDP lehnen den Umbau ab. Doch Teilnehmern des Architekturgesprächs ging er wie Stimmann nicht weit genug. Dieter Frick von der Technischen Universität verlangte vom Senat "mehr Mut". "Manchmal muss man die Menschen zu ihrem Glück zwingen", pflichtete ein Ingenieur bei. Verkehrsplaner Willi Hüsler aus Zürich ermutigte seine Kollegen im Senat, Straßen zu verschmälern. Beispiele aus der Schweiz zeigten, dass dies nicht zum Stau führe: "Die Menschen richten sich nach dem, was man ihnen anbietet." "Wir müssen in Berlin von einer ganz anderen Situation ausgehen", entgegnete Friedemann Kunst aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Das Auto sei im Berliner Zentrum stärker präsent als in anderen Innenstädten. Innerhalb des S-Bahn-Rings seien 400 000 Kraftfahrzeuge angemeldet, 100 000 Parkplätze lockten Autos nach Mitte. Vor diesem Hintergrund sei bereits der nun geplante Umbau "eine völlige Abwendung von der bisherigen Verkehrspolitik, eine akzeptable Demotivierung der Autonutzung".Begleitmaßnahmen seien nötig - eine Verbesserung des Nahverkehrs, mehr Parkraumbewirtschaftung, die Ableitung des Durchgangsverkehrs. Sonst, sagte Kunst, führe der Molkenmarkt-Umbau zu Stau und stürze Parallelstraßen ins Chaos.