Senatszuschuss sinkt / Planer bereiten neue Fahrplanstreichungen vor: BVG auf Sparkurs

Noch hat Berlin eines der besten Nahverkehrsnetze der Welt. Doch dieser Ruf könnte in absehbarer Zeit leiden. 2008 soll der jährliche Zuschuss, den der Senat den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) überweist, auf 250 Millionen Euro sinken. Damit muss das Landesunternehmen pro Jahr auf rund 60 Millionen Euro verzichten. "Dann wird es sehr schwierig, das jetzige Verkehrsangebot aufrechtzuerhalten", sagte Andreas Sturmowski, Vorstandsvorsitzender der BVG, der Berliner Zeitung. Dem Vernehmen nach gibt es in der BVG bereits erste Planspiele, wo das Angebot für die Fahrgäste beschränkt werden könnte. Zwei Ideen: reduzierte Fahrpläne sowie die Streichung von Linien.Mit dem Karlsruher Urteil zur Haushaltsnotlage Berlins hat die Zuschusskürzung nichts zu tun. Sie ist schon seit langem vorgesehen - als Teil der mittelfristigen Finanzplanung bis 2009, die Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) im vergangenen Jahr vorgelegt hat. Doch erst jetzt wird klar, was die angekündigte Streichung für die BVG bedeutet.Weniger Züge im EinsatzUnterm Strich blieben nur zwei Möglichkeiten, die Lücke zu schließen, sagte Sturmowski. Entweder nimmt das Unternehmen, das bereits mit fast 800 Millionen Euro in der Kreide steht, weitere Schulden auf - "oder wir gehen an das Angebot". Dabei bestünde die Gefahr, dass Fahrgäste und damit Fahrgeldeinnahmen ausblieben - weshalb überproportional gespart werden müsste, so der BVG-Vorstandschef.Noch sei nicht entschieden, für welche Variante sich die BVG entscheidet. "Es gilt die Verabredung, dass wir uns zunächst mit den beteiligten Senatsverwaltungen darüber austauschen, was der Finanzrahmen für uns bedeutet", teilte Sturmowski mit. Schon jetzt sei aber absehbar, dass das Angebot, das sich die Koalition im Entwurf des Nahverkehrsplans wünscht, mit so wenig Geld nicht realisierbar ist.Nach Informationen der Berliner Zeitung arbeiten BVG-Planer schon an möglichen Einschränkungen. So könnten bei der U-Bahn die Zeitabstände zwischen den Zugfahrten weiter verlängert werden. "Bereits seit einem Jahr wird wegen Personalmangels auf vielen Linien seltener gefahren als im Fahrplan steht", berichtete ein Insider.Auf die Straßenbahn kommen ebenfalls Streichungen zu. Sie sollen auch Hauptstrecken treffen. So wird dem Vernehmen nach intern diskutiert, spätetens Ende 2007 das Fahrtenangebot auf der Landsberger Allee spürbar zu verringern. Auch für die Linie M 4 ist eine Taktreduzierung im Gespräch. Dafür soll es auf anderen Strecken Verbesserungen geben - etwa auf der M 1.Noch in diesem Dezember will die BVG dem Senat zudem ein Konzept vorlegen, wann sie welche wenig genutzten Straßenbahnstrecken einstellen will. Dem Vernehmen nach gelten die Linien 12 und 21 weiterhin als vorrangige Kandidaten für eine Stilllegung. Auch die Abschnitte nach Rahnsdorf (Linie 61), Johannisthal (Linie 63) und ab 2011 Schmöckwitz (Linie 68) stehen unverändert auf der Streichliste - wie die Straßenbahn zum Wasserwerk in Friedrichshagen (Linie 60).Verbund berät über höhere Tarife"Wir befürchten, dass es zu heftigen Kürzungen kommen wird", sagte Matthias Horth vom Fahrgastverband IGEB. Der künftige Zuschuss würde nur zwei Ausgabenposten abdecken: den Erhalt der BVG-Anlagen (derzeit 175 Millionen Euro) sowie die Zahlungen von Ruhegeldern und Leistungen, die durch die BVG-Mitgliedschaft in der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder fällig würden (75 Millionen Euro). Horth: "Völlig inakzeptabel."Damit es nicht zu größeren Finanzproblemen kommt, hält BVG-Chef Sturmowski eine Fahrpreiserhöhung zum nächstmöglichen Zeitpunkt 2007 für notwendig. Anderswo in Deutschland gebe es jährlich "Tarifanpassungen", während die jüngste in Berlin bereits 14 Monate zurückliegt: "Mir fehlt da immer noch die Fantasie, wie es möglich sein soll, sich von der Entwicklung abzukoppeln." Morgen berät der Aufsichtsrat des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) über die geforderte Fahrpreiserhöhung.------------------------------Grafik: Der 1999 mit dem Senat abgeschlossene Unternehmensvertrag sah vor, dass der BVG-Zuschuss 2006 sinkt. Nun steht erneut eine Kürzung an.------------------------------Foto: Endstation Abstellgleis? Die BVG überprüft ihr Straßenbahnnetz auf Wirtschaftlichkeit - und plant Stilllegungen.