Seouler Gericht hebt Todesstrafe gegen Chun auf / Konzern-Bosse kommen frei: Nur noch lebenslänglich für Ex-Präsidenten

In Südkorea ist das Todesurteil gegen Ex-Präsident Chun Doo Hwan in lebenslange Haft abgemildert worden. Die Strafe für Amtsnachfolger Roh Tae Woo wurde auf 17 Jahre verkürzt.In himmelblauer Häftlingskleidung und mit weißen Gummischuhen waren die beiden Ex-Präsidenten Chun und Roh in Seoul wieder gemeinsam im Gerichtssaal erschienen, um den Spruch in ihren Berufungsverfahren zu hören. Er lautete für Chun Doo Hwan lebenslange Haft statt Tod, für Amtsnachfolger Roh Tae Woo 17 Jahre statt zweiundzwanzigeinhalb. Weitgehend emotionslos nahmen die Ex-Präsidenten die Strafmilderung zur Kenntnis, während die meisten der 250 Zuschauer ungläubig und verärgert reagierten. Vor dem Gerichtsgebäude protestierten Angehörige von Opfern des Kwangju-Massakers von 1980 lautstark gegen die Revision. Als Begründung für das abgeschwächte Urteil führten die Richter "mildernde Umstände" ins Feld. Chun sei zugute gehalten worden, daß er zum wirtschaftlichen Aufschwung des südkoreanischen "Tigers" beigetragen und das Präsidentenamt 1988 friedlich an Roh übergeben habe. Die beiden früheren Präsidenten und Vier-Sterne-Generäle a. D. waren im August wegen Meuterei, Hochverrat und Bestechlichkeit zu den äußerst strengen Strafen verurteilt worden. Dieser spektakuläre Prozeß sollte ein besonders dunkles Kapitel südkoreanischer Geschichte klären. Chun hatte sich mit Hilfe seines alten Schulfreundes Roh 1979 an die Macht geputscht. Als im Mai 1980 Studenten und Oppositionspolitiker in Kwangju für die Aufhebung des Kriegsrechtes demonstrierten, setzte Chun mit Drogen aufgeputschte Fallschirmjäger ein, die blindwütig mordeten. Dabei kamen nach Angaben der Opposition 2 000 Menschen ums Leben. Über 16 Jahre waren diese Verbrechen tabu. Erst als 1995 bekannt wurde, daß die beiden Ex-Präsidenten auch Bestechungsgelder in Milliardenhöhe von der Industrie kassiert hatten, verlangten viele Südkoreaner endlich eine Abrechnung. Auch die Strafen für die mitverurteilten Offiziere und Geschäftsleute wurden jetzt im Berufungsverfahren erheblich gemildert. Die Haft gegen den Gründer der Daewoo-Gruppe, Kim Woo-choong, sowie zwei weitere führende Unternehmer wurde gänzlich aufgehoben. Sie hatten die Präsidenten im Austausch für lukrative Staatsverträge mit horrenden Summen geschmiert. +++