Brüssel - Ivica Dacic war überrascht. „Ich habe noch nie erlebt, dass an einem Tag so viel Nettes über Serbien gesagt wurde“, sagte der serbische Premier zum Auftakt der Beitrittsgespräche mit der EU am Dienstag. Er sprach von einer „strategischen Neuausrichtung“ seines Landes und einem „historischen Moment“.

Die Aufnahme der Gespräche sind ein wichtiger Moment auch für den Chef der Sozialistischen Partei Serbiens. „Kleiner Slobo“ wurde Dacic in seiner Zeit als Pressesprecher Slobodan Milosevics genannt. Nun ist er 47 und nicht nur hinter ihm und seiner Partei liegt eine radikale Wende hin zu Europa, sondern auch hinter seinem Land. Das macht die Gespräche für die EU so wichtig. Sie kehrt auf dem Balkan zu ihrer alten Agenda Frieden und Wohlstand zurück. „Die EU spielt die Rolle eines Friedensgaranten. Das zeigt sich nicht zuletzt an der produktiven Haltung, die Serbiens alter Feind Kroatien nun mit Blick auf die EU-Aufnahme des Landes einnimmt“, sagte die Grünen-Europaabgeordnete Barbara Lochbihler.

Einfach werden die Gespräche nicht. EU-Kommissar Stefan Füle sprach von einem anspruchsvollen Verfahren. Das liegt zum einen am Kosovo. Ein Großteil der Serben betrachtet den seit 2008 unabhängigen Staat weiter als serbisches Kernland. Auch fünf EU-Staaten zögern mit der völkerrechtlichen Anerkennung. Dennoch hatte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton im vergangenen April ein Abkommen zwischen Kosovo und Serbien vermittelt. Füle versprach, man werde auf die Einhaltung des Vertrags dringen.

Dacic war in Brüssel die Freude anzusehen. Er will die Verhandlungen rasch zu einem Ende bringen. Bis 2018 will er die Beitrittsgespräche abschließen, schon 2020 soll sein Land der EU beitreten. „Serbien wird das nächste EU-Mitglied, glauben Sie mir“, sagte Dacic. Das sehen nicht alle so. „So, wie sich Serbien momentan darstellt, machen seriöse Beitrittsverhandlungen keinen Sinn“, erklärte der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber. Kritik regte sich prompt. „Ich halte es allerdings für sehr gefährlich, wenn dem CSU-Europaabgeordneten Ferber zu den aktuellen Gesprächen nichts Besseres einfällt, als über drohende Asylantenströme, wie er es nennt, zu lamentieren“, sagte die Grüne Lochbihler. Sie forderte stattdessen, die Rechte der Roma in die Gespräche miteinzubeziehen.