Die Zahlen sind erschreckend: Die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland hat schon einmal sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt oder beobachtet. Ein Zustand, der in einer aufgeklärten Gesellschaft wie der unseren nicht tragbar ist und der zeigt, dass die Debatte über Sexismus in Deutschland noch lange nicht ausdiskutiert ist.

Addiert um die Dunkelziffer, die von Experten als hoch eingestuft wird, ist das Bild noch düsterer. Aus Angst um den Job lassen Frauen und Männer Belästigungen über sich ergehen, die schlimme Folgen haben können. Davor warnt die neue Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Ein Teil der Ursache ist, dass nur jeder fünfte Beschäftigte weiß, dass der Arbeitgeber ihn gemäß des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes vor Belästigung zu schützen hat. Auch deshalb wehren sich Betroffene zu selten.

Ändern muss sich auch, dass die Mehrheit der Personalverantwortlichen und Betriebsräte nicht weiß, wie und ob in ihren Häusern gegen sexuelle Belästigung vorgegangen wird. Der moralische Fingerzeig gegenüber potenziellen Tätern – „Das darfst du nicht“ – reicht hier nicht aus.

Das Thema muss auch Gegenstand der Berufsausbildung oder an Hochschulen sein. Unternehmen müssen zudem Ansprechpartner und Wege schaffen, die Betroffenen helfen – ohne dass diese fürchten müssen, die eigene Zukunft zu gefährden.