Die Top-Leistungen von Sotschi elektrisieren den freien Westen: Ein US-Bobfahrer bekam die Klotür nicht auf, und was tat dieser Dreihundertpfundskerl? Ha, er trat Kung-Fu-mäßig ein Loch hinein. No problem. It was only Presspappe. Das Foto ging um die Welt: Gottchen, diese Russkis. Wie primitiv. Toiletten können sie also auch nicht. Und wenn, dann paarweise.

Zum Glück lassen sich viele Berichterstatter nicht durch sogenannte Wettbewerbe von all dem Elend ablenken. Sie beschreiben den Koloss auf tönernen Füßen so ausgewogen und differenziert, wie es zuletzt vor 70 Jahren gelang. Denn das ist die höchste Chronistenpflicht für Russlandfahrer: Man darf nicht nur die negativen Aspekte betonen, sondern muss auch die Schattenseiten sehen. Manche haben zwar keine Ahnung, wie man den Ortsnamen ausspricht, wissen dafür aber umso besser, wie Menschenrechte und Hotellobbys auszusehen haben.

Und was das Beste ist: Auch Daheimgebliebene können helfen, das Bild dieses kulturlosen Monsterreiches und seines barbarisch-barbrüstigen Terrorfürsten abzurunden. Wer mitmachen will, knipst einfach das nächstbeste Schlagloch, irgendein Protzprojekt oder eine spektakulär fehlkonstruierte Kostenexplosion und verschickt das Foto via Twitter – aber selbstverständlich nicht mit Hashtags wie #SpandauerDamm, #Stadtschloss oder #BBI, sondern nur und unbedingt unter #SochiFail.