Kann es einem Film den Garaus machen, dass er zu glattgebügelt, zu wohlfrisiert, zu gutgeschminkt ist, also mit der ganzen Strahlkraft des schönen Scheins ausgestattet wurde? Beschränken wir uns für die Antwort auf das typische Hollywood-Kino, müsste sie lauten: nun ja, nicht unbedingt. Es gibt sehr viele Frauen, die sich nach "Der Teufel trägt Prada" etwas Neues zum Anziehen besorgen mussten, aber das tut dem maliziösen Witz dieser Verfilmung keinen Abbruch - und von uns aus darf Jennifer Aniston von anderen Menschen ruhig als fähige Komödiantin mit Superhaaren angesehen werden.Wenn allerdings die andere Jennifer, La Lopez nämlich, für eine Rolle verpflichtet wird, die eine gewisse Struppigkeit verlangt, sieht die Sache etwas anders aus. Jennifer Lopez erscheint in der Öffentlichkeit in sehr komplizierten Kleidergebilden sowie einer Maquillage, die selbst Douglas-Verkäuferinnen zu aufwändig wäre. Ihr letzter Film liegt vier Jahre zurück, und ihr Ehrgeiz im Schauspielfach ist berüchtigt - viermal wurde sie deshalb für die Goldene Himbeere nominiert, bei "Gigli" hat sie die Auszeichnung für eine besonders miserable Leistung dann 2004 auch erhalten.Kaum jemand könnte also falscher sein für den Part einer sozial engagierten Hundesalon-Besitzerin in Greenwich Village als die Verweserin klassischen Hollywood-Glamours. Genau daran leidet Alan Pouls Werk "Plan B für die Liebe" denn auch von Anfang an: dass Lopez schwer auf Loha macht und einen Zug von Weltverbesserung und Empathie um den Mund trägt, sich dazu aber kleidet wie eine zickige Park-Avenue-Prinzessin - mit einem Faible für den Discotheken-Look der Siebzigerjahre und eine Ponyfrisur, die aussieht wie eine haarspraysteife Perücke. So jemand würde niemals seinen Boston Terrier zu Hause auf den Teppich kotzen lassen, wie es Lopez alias Zoe erdulden muss; das Tier hat versucht, ihren Schwangerschaftstest zu zerbeißen. Zoe nämlich ist mit der Hege von Hunden, denen das Leben (beziehungsweise die Massentierzucht) übel mitgespielt hat, längst nicht ausgelastet. Sie will unbedingt ein Kind, hat den passenden Vater in der Blüte ihrer Dreißiger aber noch nicht gefunden. Da sie, wie das Infomaterial zu "Plan B" vollmundig anführt, früher "erfolgreiche Managerin für eine prominente Internet-Firma" war, landet sie mit einem strukturierten Problemlösungsansatz bei einem Spezialisten für künstliche Befruchtung. Die ersten Einstellungen zeigen ihre nackten Beine auf diesen typischen Gynäkologen-Steigbügeln - was, da peinlich und unbequem, zunächst einmal eine nette Überraschung ist. Weil es hoffen lässt, dass gegen die Regeln der Schmachtkomödie verstoßen wird.Der Regisseur - der etwa ausführender Produzent von "Six Feet Under" war - belässt es allerdings bei einigen milde ruppigen Einlagen, wozu Besuche bei einer militanten Gruppe von Alleinerziehenden und eine Hausgeburt in einem Planschbecken gehören. Poul vergreift sich beim amerikanischen Off-Kino und seinen Möglichkeiten, Zuckerguss-Konventionen zu überwinden, wie es schon seit einigen Jahren Usus ist - ungefähr seit den Kloverstopfungswitzen in ". und dann Polly" aus dem Jahre 2004 (übrigens mit Jennifer Aniston!). An der grundsätzlich konservativen Sichtweise ändert sich dadurch nichts. Deshalb tritt auch nach dem Besamungsversuch ein Mann auf den Plan, um die Gebote der Romantik zu erfüllen: Stan (gespielt vom schmucken Australier Alex O'Loughlin) verkauft auf dem Farmer's Market Käse, den er in einer Scheune vor den Toren New Yorks der Perfektion entgegen reifen lässt. Man streitet sich ein wenig herum, hat Dates an pittoresken Orten, die auch den Ansprüchen eines gehobenen Wohnmagazins genügten . alles könnte so einfach sein, wenn Zoe nicht sofort schwanger geworden wäre und damit die Reihenfolge "Verliebt - Verlobt - Verheiratet - Geschwängert" außer Kraft gesetzt hätte. Ein interessanter Konflikt, in dem sich Alex O'Loughlin seiner Partnerin Jennifer Lopez in keiner Hinsicht gewachsen zeigt.------------------------------Plan B für die Liebe (The Backup Plan) USA 2010. Regie: Alan Poul. Drehbuch: Kate Angelo. Darsteller: Jennifer Lopez, Alex O'Loughlin, Linda Lavin u. a. 106 Minuten, Farbe. FSK ab 12 Jahre------------------------------Foto: Alles Käse: Stan (Alex O'Loughlin) betört Zoe (Jennifer Lopez) mit Kuhmilchprodukten.