Berlin - Puh, Glück gehabt! Vier sichtlich zufriedene Gäste drängeln sich gerade durch die Tür hinaus. Wenn ein Restaurant an einem nieseligen Montagabend berstend voll ist, kann das nur Gutes verheißen. Voll bedeutet in diesem Fall, dass 34 eher junge Leute alle Plätze des einraumigen Restaurants besetzen. Die Luft ist erfüllt von Menschenwärme und angeregtem Geschnatter. Auch wir bleiben nicht lange allein an unserem Vierer-Tisch direkt unter dem Tresen, dessen Wand mit einer schwarzen Rückenlehne gepolstert und so zu einer gemütlichen Sitzbank umfunktionalisiert ist.

Die von außen unscheinbare, kleine Pastabar mit Weinverkauf mit dem philosophischen Namen "Cotte e Crudo" (Das Gekochte und das Rohe) liegt an der Eberswalder Straße, kurz bevor sie zum herbstlichen Niemandsland des Mauerparks führt. Letzte Lichtstation vor der Dunkelheit. Auf dem Bürgersteig unter einer Markise stehen noch ein paar Holztische und Klappstühle für die Raucher. Einer davon ist Matteo, der sizilianische Mann der Besitzerin Karen Oldewurtel, der seinen Platz hinterm Tresen immer wieder mal gerne verlässt, um den Gästen den offenen Tafelwein, etwa einen Diavolo Nobile (3 Euro das 0,2 l Glas), zu empfehlen oder einfach das Gefühl zu geben, willkommen zu sein.

Die Gerichte werden von Mamma abgesegnet

Fünf Jahre lang betreiben die beiden mit bis zu acht fixen und dabei stets charmanten Studentinnen ihre Familien-Wirtschaft, wobei für das italienische Flair der Küche allerdings der deutsche Part des Paares zuständig ist: „Aber alles von der sizilianischen Mamma abgesegnet.“ Unsere große hausgemachte Antipastiplatte (8,90 Euro), die wir uns teilen, überwältigt uns mit mindestens fünf verschiedenen Sorten Prosciutto und scharfer Salami, Käse, Auberginensalat, getrockneten Tomaten, Rucolasalat und knackigen Kapern.

Zusammen mit dem guten Brot, in herzhaftes Olivenöl getunkt, hätte das eigentlich schon zum Sattwerden gereicht. Aber nichts da: Auf der Tageskarte, einer mannshohen Schiefertafel, die jeweils an den Tisch getragen wird, stehen dermaßen mundwässernde Nudelgerichte mit Pfifferlingen, Steinpilzen, Ricotta, Scampi oder Seeteufel, dass es eine Schande wäre, den Hauptgang zu verschmähen. Wir entscheiden uns für Penne mit Kirschtomaten und Lammfilet (9,50 Euro) und den etwas aus dem Rahmen fallenden Grillteller mit Rosmarinkartoffeln und Prinzessbohnen (11,50 Euro).

Wie ein sonniger Urlaubstag in Sizilien

Beide Gerichte übertreffen unsere Erwartungen bis zur Strapaziergrenze unserer schon nicht mehr so richtig hungrigen Bäuche. Das gabelfreundlich portionierte Lammfilet behauptet seine bockig wiesenwürzige Intensität in der knalltomatigen Sauce, in der selbst die halbierten Zwiebelringe noch ihren Eigengeschmack haben. Dass die Penne bissfest sind wie ein Sizilianer, versteht sich hier offenkundig von selbst. Zu schaffen ist die Portion für uns nicht, aber die feinsäuerlich fruchtige Kirschtomatensauce wird mit dem Löffel bis zum letzten Rest unter den Nudeln hervorgefischt.

Der Grillteller mit seinen vielen hochwertigen Filets vom Lamm und Rind, mit Hühnchenbrust und einer bäuerlich derben Bratwurst scheint unsere Gier dann aber doch zu verspotten. Der Großteil der zarten Fleischstücke landet, kein Problem, in einem Doggybag. Schmeckt sogar kalt zum Frühstück am nächsten Morgen noch köstlich.

Die gefüllten Nudeltaschen in Salbeibutter, in denen unser Tischnachbar seine Geschmacksnerven genüsslich suhlt, sahen aber auch ziemlich verführerisch aus. Und laut Aussage seiner hübschen Freundin, schmeckt hier „eigentlich immer alles total super“. Glauben wir nach unserer angenehmen Völlerei sofort. Das vielgepriesene, selbstgemachte Tiramisu lassen wir angesichts unserer wohlgerundeten Leibesfülle mit großem Bedauern aus.

Aber den Grappa vom Chef nehmen wir natürlich gerne. Und beschwingt die Plastiktüte mit den Grillstücken schwingend, tänzeln wie durch den fiesen Berliner Regen nach Hause. Ein sonnendurchflirrter Urlaubstag in Sizilien hätte nicht besser gewesen sein können.

Adresse: Eberswalder Str. 33
Telefon: 44 03 71 11
Öffnungszeiten: Mo–Sa 12–24, So 10–22 Uhr
Kreditkarten: keine