Bob Dylan war eine gute Idee. Vielleicht hätte der Filmemacher Stephan Lamby sie selbst gern gehabt. Vielleicht hat er sie herausgekitzelt. Wer weiß, wie viele Stunden Lamby schon bei Joschka Fischer saß und ihm wichtige Fragen stellte - irgendwann erwähnte Fischer, dass er jetzt wieder viel Bob Dylan hört.Fischer schenkte Lamby einen Einstieg, mehr noch: eine Art Grundgefühl für dessen Dokumentation "Die Welt des Joschka Fischer", die am Dienstag auf Phoenix läuft. Der Film ist fast zwei Stunden lang. Lamby hat 16 Interviews mit Zeitzeugen geführt, er hat insgesamt 40 Stunden neues Material produziert, dazu die Archive der letzten sieben Jahre durchsucht.Dabei hätten ihn weder das Körpergewicht noch die Frauen des Außenministers interessiert, sagt Lamby. "Der Film ist kein Psychogramm, sondern eine Analyse von Fischers Zeit als Außenminister." Das ist natürlich überaus ehrenwert - nach einem unterhaltsamen Fernsehabend klingt es nicht unbedingt.Doch dann läuft Bob Dylan, "Like a rolling stone", zu den Bildern, auf denen Gerhard Schröder, Joschka Fischer und Oskar Lafontaine zum ersten Mal im Bundestag die Plätze einnehmen, die "Regierungsbank" genannt werden. 1998. Die Männer grinsen und wippen auf ihren Sitzen. Bob Dylan krächzt "how does it feel" dazu, "wie fühlt es sich an" - und der Film ist kein bisschen nüchtern.Stephan Lamby ist Journalist, seit ein paar Jahren dreht er Dokumentationen. Erst über Agenten und Hochstapler, später über die Politiker Wolfgang Schäuble, Fidel Castro und Helmut Kohl. Den Film über Fischer hatte er seit zweieinhalb Jahren geplant. Fischer wollte nie. In diesem Frühjahr wollte Fischer plötzlich doch. Lamby begann zu drehen, als Fischer vor den Visa-Untersuchungsausschuss musste. "Wir gingen davon aus, ein Jahr Zeit zu haben", sagt Klaus Radke, Geschäftsführer von Phoenix.Dann verkündete der Bundeskanzler seinen Neuwahl-Plan. Lamby war mitten drin in einem historischen Moment - und ließ ihn sich nicht entgehen. Er stellte den Film in vier Monaten fertig, "auch wenn der Stress das ganze Team durchgerüttelt hat". Auch der Film ist irgendwie durchgerüttelt. Er springt durch sieben Jahre, vom Kosovo-Krieg zum Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen, von der UNO-Reform zur Vertrauensfrage. Fischer diskutiert mit Rumsfeld über Irak, dann winkt Claudia Roth von einem Balkon. Oder andersherum.Man nimmt dem Film seinen Bilderreigen aber nie übel. Ein paar Interviews dagegen schon. Fischer-Biograf Bernd Ullrich kommentiert zu viel, Schröder zu staatstragend, Scharping zu langweilig. Sehenswert ist der Auftritt von Madeleine Albright, der ehemaligen US-Außenministerin. Sie erzählt, wie sie von Fischers "schillernder Biografie" hörte und wie er dann vor ihr stand, aufgeregt und in einem dreiteiligen Anzug.Bob Dylan nimmt Fischer übrigens ebenso schnell zurück, wie er ihn erwähnt hat. Er hört ihn zwar gern, aber seine Musik hätte nichts mit der politischen Lage zu tun, "dass wir uns nicht falsch verstehen." War aber eine gute Idee.Die Welt des Joschka Fischer, 20.15 Uhr, Phoenix------------------------------"Meine Stimmung wird eher von AC/DC wiedergegeben." Joschka Fischer------------------------------Foto: Joschka Fischer hört viel Musik, will das aber nicht falsch verstanden wissen.