Lieutenant Ellen Ripley ist wieder da! Eine der populärsten Figuren des Science-fiction-Films ist 18 Jahre nach ihrem Debüt stärker denn je und wird in "Alien ­ Die Wiedergeburt" immer noch von Sigourney Weaver dargestellt. Ripley war die Rolle, die Weaver weltberühmt machte, und die sie seitdem nicht mehr los läßt. Dabei beruhte alles auf einem Zufall. Damals, 1978, war Sigourney eine 29jährige, zwar talentierte aber glücklose New Yorker Theaterschauspielerin. Ein Upperclass-Girl, das erfolgreich die renommierte Yale Drama School absolviert hatte und in mehreren Off-Broadway-Stücken aufgetreten war. Nicht zuletzt wegen ihres Gardemaßes von 1,84 Metern waren größere Rollen jedoch schwierig zu finden. Sie war Ablehnungen gewohnt, trabte aber weiterhin von einem Vorsprechtermin zum nächsten. Doch außer einem Mini-Auftritt in Woody Allens "Stadtneurotiker" blieb alle Mühe erfolglos.Emanzipation an BordWalter Hill, David Giler und Gordon Carroll hatten ein Drehbuch verfaßt und wollten einen Film produzieren. Es sollte ein Gruselfilm werden, der auf einem Raumschiff spielt, mit einem eher durchschnittlichen Helden, der dann jedoch über sich selbst hinauswächst. Paul Newman sollte diesen Officer Ripley spielen. Der winkte aber ab. Dann kamen die Drehbuchschreiber auf die Idee, in der fernen Zukunft könnte die Gleichberechtigung vielleicht so weit gediehen sein, daß ganz selbstverständlich auch Frauen zu solch einer Crew gehörten. Also schrieben sie zwei Rollen um. Sigourney bekam einen Vorsprechtermin und die Produzenten waren begeistert. Sie wirkte stark. Für die Rolle der Ripley brauchten sie eine Frau, die keinen zaghaften Eindruck machte, sondern Durchhaltevermögen bewies. Der Rest ist Geschichte. "Alien" wurde ein großer Erfolg und Sigourney Weaver der erste weibliche Actionheld. Ihr Weg war nicht der eines Kleinstadtmädchens, das seinem Milieu entkommen und ein Star werden will. Im Gegenteil. Ihre Familie war privilegiert. Sigourneys Vater ist Pat Weaver, der frühere Präsident des TV-Senders NBC, ihre Mutter die Engländerin Elizabeth Inglis, eine Bühnenschauspielerin, die mit Regisseuren wie Hitchcock zusammengearbeitet hatte. Die Freunde der Familie stammten aus der mächtigen neuen Welt des Fernsehens. Entertainer waren für das kleine Mädchen nicht nur Gesichter auf einem kleinen Bildschirm, sondern Bestandteil ihres Alltags. Susan spielte kaum mit Spielzeug, sondern las sehr viel. Und sie las die Bücher nicht nur, sie lebte in ihnen. Sie war noch keine zehn Jahre alt, da studierte sie bereits Rollen und spielte alles nach, was sie beobachtete oder las. In jeder anderen Familie wäre ein Kind, das stundenlang liest und probt und dann schließlich ein Nagetier imitiert, vermutlich zu einem Kinderpsychologen geschickt worden, aber bei den Weavers galt das als durchaus normal.Nach "Alien" spielte Sigourney Weaver erst einmal wieder Theater ­ zwei Jahre lang. Doch danach folgte durchschnittlich ein Film pro Jahr. Dabei bewies sie nicht immer eine glückliche Hand. Filme wie "Der Augenzeuge" oder "Das Bombengeschäft" waren eher belanglos und floppten an der Kinokasse. Sie glänzte in "Half Moon Street", "Ghostbusters", "Gorillas im Nebel", "Die Waffen der Frauen" oder "Der Tod und das Mädchen". Und natürlich in den "Alien"-Nachfolgern. Im nächsten Monat ist sie auch in Ang Lees 70er-Jahre-Familiendrama "The Ice Storm" zu sehen.Mit Hollywood und Starrummel konnte sich Sigourney nie anfreunden. Sie gibt kaum Interviews und haßt Talkshows. Sie leitet ihre eigene Produktionsgesellschaft "Goat Cay Productions", die es sich zur Aufgabe gemacht hat, junge Bühnentalente auch in der Filmindustrie zu etablieren. Die gefragte Schauspielerin lebt mit ihrem Mann, dem Theaterregisseur John Simpson, und einer siebenjährigen Tochter in New York."Ich bin das neueste Modell", sagte die geklonte Ripley einmal in "Alien ­ die Wiedergeburt". Genau das kann man auch über Sigourney Weaver sagen. Auch als 48jährige wirkt sie frisch, unverbraucht und stark.