Die Anspielung auf Lolo Ferrari ist wohl kalkuliert. Melancholisch zieht sich die Erinnerung an den Tod des italienischen Busenwunders durch diesen "Polizeiruf". Und dennoch findet der Krimi abseits dieser (sur)realen Vorlage ganz leichtfüßig sein eigenes Leitmotiv: die Sehnsucht nach Zärtlichkeit.Im Münchner Hofgarten findet ein Klatschreporter die kunstvoll drappierte Leiche des Mega-Busen-Stars Lo. Weil die Pathologie gerade Dienst nach Vorschrift macht, bleibt zwei Tage lang offen, ob bei Los Tod Fremdeinwirkung vorliegt. Zeit genug für Kommissar Tauber, sich in der bizarren Pornoszene umzusehen, in der Lo trotz ihrer Megatitten längst nicht mehr der Megastar war. Von Rückenschmerzen geplagt, zum Schlafen im Sitzen verdammt, hatte Lo "ihre beste Zeit längst hinter sich", wie Los Nachfolgerin Walli dem Kommissar erklärt. Ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit, aber nicht ohne Zweifel, will Walli als neues Megabusenwunder Karriere machen. Tauber sieht in der jungen Frau das nächste Opfer von Los skrupellosem Manager Fred. Mit rührender Zuneigung versucht der introvertierte Tauber die naive Walli davon abzuhalten, Los Fehler zu wiederholen. Edgar Selge spielt die Sensibilitäten des Drehbuchs (Wolfgang Limmer) feinfühlig aus. Wer hätte gedacht, dass der Figur des einarmigen Zynikers so viel Zartheit abzugewinnen ist? Nadeshda Brennicke als Walli hält kongenial die Balance zwischen grotesker Künstlichkeit und wirklicher Verzweiflung. Michaela May als Taubers Kollegin Obermaier hält sich diesmal klug zurück, um dem Paar Selge/Brennicke Spielraum zu gewähren. Dafür schenkt ihr das Drehbuch den entscheidenden Schlusssatz, der auch eine Verneigung vor Lolo Ferrari ist.Polizeiruf 110, So., 20.15 Uhr, ARD.