Geschmacklos, pietät- und schamlos findet der Historiker Michael Wolffsohn eine Kampagne des Simon-Wiesenthal-Centers. Gut, mit Plakaten und Belohnungen für die Ergreifung der letzten noch lebenden NS-Täter zu werben, kann man fragwürdig finden, aber unappetitlich und geschmacklos? Du meine Güte! Ein bemerkenswerter Ausbruch. Ärgerlicher noch ist Wolffsohns Forderung nach einer pietätvollen Aufarbeitung, die sich von Wichtigtuerei und Klamauk absetze, für die das Simon-Wiesenthal-Center unter seiner jetzigen Führung stehe. Was soll das denn heißen?

Für manche mag es unangenehm sein, heikel oder peinlich, dass so viele NS-Verbrechen ungesühnt blieben und so viele Täter unbehelligt, dass Gewaltverbrecher, die an Schreibtischen saßen, nahezu immer straffrei ausgingen, und ranghohe wie niedere NS-Schergen sich auf den Befehlsnotstand herausreden konnten. Für andere ist es unerträglich. Auf wen wollen wir Rücksicht nehmen? Auf diejenigen, die peinlich berührt reagieren, wenn sie heute noch an die Schuld der Großväter erinnert werden und deren Mitleid den über 90-jährigen Tätern gilt? Oder wollen wir mit denen empfinden, deren Großväter in Todeslager geschickt wurden? Oder wollen wir nicht wenigstens die Arbeit von Männern wie Fritz Bauer fortsetzen, die sich schon vor 50 Jahren darum bemühten, die Täter vor Gericht zu bringen.