Sitz des Zentralrats und des European Jewish Congress: Leo-Baeck-Haus wird Mitte April eröffnet

Der Zentralrat der Juden in Deutschland zieht Mitte April nach Berlin in die Tucholskystraße in Mitte um. Das hat der Präsident des Zentralrates, Ignatz Bubis, am Montag nach einer Tagung des European Jewish Congress (EJC) bekanntgegeben. Im Haus in der Tucholskystraße 9 war von 1907 bis 1942 die Hochschule für Wissenschaft des Judentums untergebracht. Auch der EJC und der World Jewish Congress (WJC) sowie die Redaktion der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung werden in dem Haus Räume beziehen. Die offizielle Einweihung, so Bubis, soll am 19. April sein. Wie Bubis sagt, könne er sich vorstellen, daß das Gebäude künftig "Leo-Baeck-Haus" heißt. Leo Baeck (1873 1956) wurde 1943 in der Tucholskystraße verhaftet und von dort in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt. Der European Jewish Congress hat am Montag erstmals in Berlin getagt. Der Dachorganisation europäischer jüdischer Vereinigungen gehören mittlerweile 35 Länder an. Jüngstes Mitglied ist Rußland, das am Montag aufgenommen wurde. Der Vorsitzende der russischen jüdischen Gemeinde, Vladimir Goussinskij, ist zugleich neuer EJC-Vizepräsident. Er steht an der Spitze von schätzungsweise 1,5 Millionen russischen Juden. Rußland ist damit vor Frankreich (700 000 Mitglieder) und der Ukraine (500 000) die größte jüdische Gemeinschaft in Europa. Die Gemeinden in Deutschland zählen nach Angaben von Bubis derzeit rund 75 000 Mitglieder. Von dem ständigen Büro des EJC in Berlin soll vor allem die dringend notwendige Hilfe für Osteuropa ausgehen, so Bubis, der seit Oktober vergangenen Jahres EJC-Präsident ist: "Es gibt zuwenig Rabbiner und zuwenig Religionslehrer." Von der Bundeshauptstadt aus will der EJC auch Kongresse planen. Mit Blick auf den zunehmenden Antisemitismus in Rußland trifft sich der EJC zu seiner nächsten Beratung am 9. und 10. Mai in Moskau. Danach folgen Treffen in Budapest und Sarajevo. Die Probleme in Osteuropa bestimmten neben dem Entschädigungsfonds für Zwangsarbeiter (siehe Seite 6) die EJC-Tagung. Bubis will bei der ungarischen Regierung dagegen intervenieren, daß überlebende NS-Opfer statt wie bisher eine Entschädigung von umgerechnet 5 000 Dollar nun 150 Dollar erhalten. Opfer des Kommunismus, so Bubis, würden dagegen weiterhin 5 000 Dollar bekommen.