Brachyura" bedeutet so viel wie "Kurzschwarzkrebs" oder ganz einfach: Krabbe. Frisch aus dem Meer ist sie eine Spezialität in Schleswig-Holstein und es gibt wohl kaum einen Besucher dieses nördlichsten Bundeslandes, der noch nicht an sonnigen Tagen irgendwo unter freiem Himmel Krabben gepult hat. Das sieht zunächst kompliziert aus, mit etwas Übung hat man aber schnell den Bogen raus: Die Krabbe mit den Fingern beider Hände an Kopf und Schwanz fassen, mit der rechten Hand eine rasche Drehbewegung vollziehen und das Schwanzgehäuse abziehen. Nun muss der Rest der schmackhaften Krabbe vom Kopfstück gelöst werden: Kopfteil festhalten, am Schwanz ziehen und fertig. Mehr als 4 000 Arten dieser Zehnfußkrebse leben im Meer. Verwandt sind sie mit der Nordseegarnele, die bei den Einheimischen "Granat" heißt und bei ihnen genauso beliebt ist, wie bei den Besuchern. Neben allerlei Getier aus dem Meer wie etwa Dornhai (seine geräucherten Bauchlappen werden zu "Schillerlocken" verarbeitet) oder Helgoländer Hummer gilt die Kieler Sprotte als Delikatesse. "Da plagen sich de Lüd herum mit luder leege Saken. In Eckernför verstaht de Lüd, ut Sülwer Gold to maken." (Da plagen sich die Leut herum, mit lauter dummen Sachen. In Eckernförde versteh n die Leut , aus Silber Gold zu machen.) Die silbrig glänzenden Sprotten galten im letzten Jahrhundert als Arme-Leute-Essen, heute ist ihr Bestand stark reduziert, was sie automatisch zur Feinkost macht. Nun fragt man sich vielleicht, warum sie Kieler und nicht Eckernförder Sprotten heißen. Das hängt damit zusammen, dass die Fische früher in Holzkisten vom Bahnhof Kiel aus in alle Himmelsrichtungen versandt wurden. Die Kisten erhielten als Absender den Aufdruck Kiel und so kann sich die Stadt an der Förde bis heute mit einer Spezialität schmücken, die eigentlich nur auf der Durchreise war.Foto: Krabbenkutter in der Nordsee: An beiden Seiten des Kutters sind "Metall-Bäume" angebracht, die die Netze über den Grund ziehen.