Berlin: "Mitte mit Flair statt Stadtrand" von Peter Brock (5. März):Ihr Redakteur freut sich, dass Friedrichshain-Kreuzberg schöner wird, nettere Läden aufmachen. Ein paar Wohnungen werden durch die Modernisierungen zwar teurer und für manche Mieter nicht mehr bezahlbar, aber schnell für sich durchkalkuliert, sieht er alles nicht so tragisch. Gentrifizierung eben. Diese sieht, wenn man das Ganze in unmittelbarer Nachbarschaft und im Bekanntenkreis miterlebt, nicht ganz so sauber und blühend aus.Beispiel 1 aus dem Wrangelkietz - Hartz-IV-Empfängerin: Ein Haus mit ehemals Sozialwohnungen, dann Verkauf des Hauses, darauf folgten anderthalb Jahre Außensanierung mit absoluter Vermüllung des Bürgersteigs. Und natürlich wird im selben "Tempo" drinnen gearbeitet (den Mietern wurde keine Umsetzwohnung angeboten). Insgesamt drei Jahre Lärm und Dreck. Dabei versucht eine junge Frau, ihre Doktorarbeit zu schreiben. Da vorher von der Verwaltung in dem Haus nie etwas gemacht wurde, hatte sie selbst viel investiert. Zu Freunden ausweichen kann sie nicht, da die Bauarbeiter immer in die Wohnung wollen, außerdem kommen auch kurzfristig Schreiben mit Ankündigungen des Eigentümers - oft mit Boten - , auf die sie reagieren muss. Inzwischen wurde die Wohnung unbewohnbar gemacht: Eine Wand wurde eingerissen, kein Wasser, keine Toilette.Im Dezember hat man ihren Schornstein zugemauert (sie hatte sich selbst einen Ofen einbauen lassen). Sie putzt sich abends die Zähne in umliegenden Gaststätten, tagsüber nutzt sie die Toilette in der gegenüberliegenden Kirche. Inzwischen läuft alles über Anwälte und das Gericht. Ihre Doktorarbeit kommt natürlich auch nicht so richtig voran. So sieht Gentrifizierung aus.Beispiel 2 Katzbachstraße - Gutverdienerin: Eine Freundin wohnt in der Katzbachstraße. Nachdem der Hauseigentümer (der mit im Haus wohnte) starb, verkaufte seine Witwe das Haus. Auch hier begann der neue Besitzer ein ähnliches Spiel mit den Mietern; das Ganze zieht sich über vier Jahre hin und läuft auf eine Klage hinaus.Im Übrigen irrt Brock, wenn er behauptet, dass billige Wohnungen mit guter Bus- und Bahnanbindung ganz leicht zu finden sind, da hat er schlecht recherchiert. Außerdem hat jeder Mensch sehr wohl das Recht, in seinem bisherigen Umfeld wohnen zu bleiben, trotz Modernisierung.Helga Damaschun, Berlin-Kreuzberg